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Bruce Nauman in Basel : Raus aus meinem Kopf

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„Disappearing Acts“ heißt die Ausstellung, denn das fünfköpfige Kuratorenteam aus New York und Basel hat eine Offensichtlichkeit entdeckt: dass Bruce Naumans Arbeitenen vorrangig vom Verschwinden handeln. Sie sind voller Negativformen, wie die beiden Springbrunnen, die das Eröffnungsportal bilden: Aus zwei die Wand anschauenden Gipsabgüssen des Künstlergesichts sprudelt Wasser in zwei alte Waschbecken. Als wäre einer der Gesichter-Brunnen des Barockarchitekten Giacomo della Porta im Krankenhaus. Die Interpretation der Natur mündet bei Nauman in die Vermessung des eigenen Körpers. Es gibt Körperabdrücke in Gips und in Bronze, es gibt eine lange Schaumgummimatte mit Filz und Goldblatt (Beuys!) mit Löchern im Umfang von Naumans Gliedmaßen. Und „Wachsabdrücke von den Knien fünf berühmter Künstler“, die erstens nicht aus Wachs sind und zweitens alle von seinen eigenen Knien stammen. Auf einer Entwurfszeichnung daneben ist notiert: „Don’t use Marcel Duchamp“, womit der Pionier der Konzeptkunst gerade in der Verleugnung gewürdigt ist.

https://www.youtube.com/watch?v=IMSyhyvr0mw

Hat Duchamp das Kunstwerk auf ein Minimum an Kunst reduziert, so hat Nauman das Künstlerdasein auf ein Minimum an Einsatz reduziert – hat von Anfang an immer wieder ein Atelier leer geräumt und sich von Neuem vor die Frage gestellt, was ein Künstler eigentlich macht. Ein Künstler ist im Atelier. Also filmte sich Nauman, wie er mit dem eigenen Körper das eigene Atelier vermaß, in maximaler Verrenkung und in laszivem Hüftschwung, als Hommage an den die Bildhauerei von der Antike bis in die Klassik bestimmenden „Kontrapost“. So hat Nauman, auch wenn er sich von Duchamp immer abgrenzte, dessen berühmte Frage beantwortet, ob es möglich sei, Kunstwerke zu machen, die nicht aus Kunst sind.

Es ist ein Wunder, dass Nauman es damals überhaupt in das Masterprogramm an der University of California in Davis schaffte, bestand seine Bewerbungsmappe doch schlicht aus Fotos von Augen und Lippen, die er aus Zeitschriften ausschnitt und seinem Professor William T. Wiley an einer Straßenecke zeigte. Und es ist Leuten wie Wiley zu verdanken, dass er mit seinen kleinen Gipsobjekten und Körperübungen an der Wand einen Master bekam. Ein Kommilitone sagte mal im Rückblick: „He didn’t give a shit“.

Im Nachhall von Fluxus schuf Nauman also Antikunst, mit seinen nicht-virtuosen Ausführungen, den armen Materialien unterbot er auch noch die Minimalisten und führte deren industrielle Objekte in ihrer Theatralität und Kunstanstrengung vor.

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