https://www.faz.net/-gqz-14cpt

Botticelli in Frankfurt : Die tugendhafte Nymphe, wer wünschte sie nicht?

  • -Aktualisiert am

Sandro Botticelli malte den ersten Frauenakt der Kunstgeschichte und bereitete dem modernen Affektleben die Bühne. Das Frankfurter Städel Museum zeigt das Werk des ästhetischen Aufpeitschers der Leidenschaften in einer ebenso hinreißenden wie lehrreichen Ausstellung.

          5 Min.

          Von einer großen Botticelli-Ausstellung darf man träumen, sie ist aber, strenggenommen und mit Rücksicht auf die labile Konstitution der Bilder, eigentlich nicht wünschenswert. Sie ist als Dauerinstallation erreichbar in jenen Sälen der Uffizien, die jährlich von Millionen Besuchern überflutet werden. Hier erlebte das Publikum in den letzten Jahrzehnten dank umfassender Restaurierungskampagnen die Wiedergeburt eines glasklaren, festlich leuchtenden Koloristen Botticelli. In den zwanzig Meisterwerken des Florentiner Ensembles ist alles beisammen: die erhabenen, raummächtigen Altäre, die Andachtsbilder, die jubilierenden Marien-Tondi, die optisch klingen wie Mozarts sakrale Arien, die heidnischen Allegorien rund um Frühlingsfest und Venus-Kult, die den Traum der Antike noch einmal träumen, schließlich die brillanten Kabinettstücke und exzellenten Porträts. Der zweite bedeutende Botticelli-Schauplatz ist die National Gallery in London, der dritte die Berliner Gemäldegalerie, die vom großen Publikum leider nach wie vor verschmäht wird.

          Da Botticelli (1444/45 bis 1510) fast durchweg auf Holzträgern malte, gilt sein OEuvre als immobil. Doch im wechselseitigen Interesse lockern heute Museen eiserne Prinzipien, zumal wenn Gegengaben locken. Das Frankfurter Städel war beim Werben so hartnäckig und überzeugend, dass nach jahrelangen Vorbereitungen nun das kaum Vorstellbare erreicht wurde: Andreas Schumacher, der Kurator, hat eine erstaunliche Botticelli-Schau in Szene gesetzt. Für die zwangsläufig fehlenden großen religiösen und mythologischen Schaustücke fanden sich reizvolle Stellvertreter. Aber nicht nur Kabinettstücke bieten Ersatz und Entschädigung. Auch zwei monumentale Paradestücke aus den Uffizien sind aufgeboten: die Tugendallegorie „Minerva und der Zentaur“ (auf Leinwand) und das abgelöste riesige Verkündigungsfresko vom Eingang eines Florentiner Hospitals, das eine souveräne, zweigeteilte Raumbühne in den Ecken mit fast nervös erregten Protagonisten bespielt.

          Bildnis, Mythos, Andacht

          Den großen Erzähler, den turbulenten Dramatiker Botticelli, der Emotionen und Leidenschaften zu inszenieren, ja aufzupeitschen weiß, belegt am Ende der Ausstellung der vierteilige Zyklus mit dem Leben und den Wundertaten des heiligen Zenobius, der hier zum ersten Mal wieder mit Leihgaben aus London, New York und Dresden zusammengeführt ist. Die filmartige Fabel schmückte einst als umlaufender Fries die Wände eines Interieurs. Andachtsbilder mit den berühmten Madonnen ersetzen in reicher Auswahl und wechselnder Qualität die Altäre. Neben Meisterleistungen der Verdichtung und Beispielen für die abenteuerliche Expressivität und den spätgotischen Manierismus des späten Botticelli sind hier auch manche Routinearbeiten einer großen Werkstatt zu sehen. Eingestreut sind Vergleichsstücke von Zeitgenossen wie dem Lehrer Filippo Lippi, Verrocchio, Filippino Lippi oder Raffaelino del Garbo.

          Weitere Themen

          Ganz er selbst, auch schon in jungen Jahren

          Neun Erzählungen Prousts : Ganz er selbst, auch schon in jungen Jahren

          Ein Band bislang unveröffentlichter früher Texte zeigt, wie Marcel Proust denkt und sortiert, aussortiert, anders justiert – noch ohne konkretes Ziel. Von den allermeisten dieser Erzählungen war nicht einmal die Existenz bekannt.

          Topmeldungen

          Donald Trump gab bekannt, den G-7-Gipfel doch nicht im familieneigenen Hotel in Miami auszurichten.

          Twitter : G7-Gipfel im nächsten Jahr doch nicht in Trump-Hotel

          Dies gab Donald Trump auf seinem Twitter-Account bekannt. Der Präsident der Vereinigten Staaten musste zuvor heftige Kritik für seine Entscheidung einstecken, den G-7-Gipfel in seinem Hotel in Miami ausrichten zu wollen.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.