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Bode-Museum in Berlin : Ein unaufdringlicher Triumph

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Doch die Gemäldegalerie und das Kunstgewerbemuseum sind im Kulturforum untergebracht. Die Gemälde hatten eigentlich kaum Zeit, an ihrem neuen Ort heimisch zu werden. Das Bode-Museum konnte nicht alle drei Sammlungen aufnehmen, und in der Umgebung der Museumsinsel wird auf Jahre hinaus kein Platz zur Verfügung stehen. Daher wurde vernünftigerweise beschlossen, die Sammlungen an ihrem jeweiligen Ort zu belassen und die Skulpturensammlung im Bode-Museum unterzubringen, das sie sich nun mit dem viel kleineren Museum für Byzantinische Kunst und dem Münzkabinett teilt, die in einigen Räumen einen Überblick über ihre Bestände und eine Auswahl von Highlights zeigen.

Schmerzlich vermißt: die kunstgewerbliche Ergänzung

Etwas von Bode ist in dem neuen Haus gleichwohl zu spüren. Die byzantinischen Sammlungen mit ihren Mosaiken und Skulpturen in den verschiedensten Materialien verbinden sich wunderbar mit den frühen Italienern. Die berühmte „Basilika“, die mit ihren Seitenkapellen und Altarsockeln an eine italienische Kirche erinnern soll, wurde wiederhergestellt, mangels Klimatisierung aber ohne das herrliche Mobiliar und die wichtigen Tafelbilder. Ansonsten finden sich Leihgaben der Gemäldegalerie, die die Richtigkeit von Bodes Vision bestätigen. Sie sind immer passend und illustrieren die Skulpturen genau so, wie Bode es sich gewünscht hätte. Allerdings sind es durchweg zweitrangige Werke, die bei weitem nicht an die Qualität der Skulpturen heranreichen. Einige sind Kopien. Ob es wohl möglich wäre, eines Tages einige große Gemälde auszuleihen (vor allem solche der italienischen Frührenaissance, an denen die Gemäldegalerie so reich ist), ohne daß die Besucher des Kulturforums darunter leiden müßten? Das gute Verhältnis zwischen den beiden Häusern, das so erfolgreich begonnen hat, kann hoffentlich noch weiterentwickelt werden.

Wenn man sich mehr Gemälde wünscht, so gilt das erst recht für die Gattung Kunstgewerbe. Liturgische Geräte aus Silber und Gold würden die großen Schnitzaltäre ergänzen und an das eucharistische Ritual erinnern, das die Skulpturen lediglich zu begleiten hatten. Goldschmiedearbeiten und später dann Porzellanfiguren sind ja oft Skulpturen im Miniaturformat, so daß es unnatürlich erschiene und tatsächlich auch unhistorisch wäre, sie in einem separaten Haus zu zeigen. Wäre es für die (befremdlich) wenigen Besucher des Kunstgewerbemuseums wirklich eine Einschränkung, wenn einige Stücke des Welfenschatzes und des Lüneburger Ratssilbers zu den deutschen Sakralskulpturen auf der Museumsinsel kämen und wenn Meißener Figuren als Meisterwerke der Kleinplastik des achtzehnten Jahrhunderts gezeigt würden?

Das wird die Zukunft zeigen. Vorerst haben wir eine herrliche Sammlung, die uns erfreut und belehrt - eine völlig neue Sammlung, da niemand unter achtzig eine deutliche Erinnerung an sie haben kann. Traditionell haben Skulpturenmuseen einige Mühe, viele Besucher anzulocken - selbst der Bargello in Florenz oder das große Skulpturenmuseum in Valladolid. Doch im Bode-Museum ist die Spannbreite der Sammlung so groß, die Qualität so hoch und die Präsentation so klug, daß das Haus ein lebhaftes Interesse finden wird. Wie vor hundert Jahren erhofft, ist es heute wieder möglich, auf der Museumsinsel die Geschichte der Skulptur im alten Ägpten, in Mesopotamien, Griechenland und Rom bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Westeuropa zu verfolgen. Es ist eine grandiose Geschichte, die zu studieren für uns alle lohnend ist. Floreat insula!

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