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Biennale von Venedig : Einigkeit und Recht und Zombies

  • -Aktualisiert am

Die alten rockten die Biennale: Goldlöwen-Gewinner Franz Erhard Walther vor einem seiner Werke in Venedig Bild: dpa

Auf einer schwachen 57. Biennale von Venedig gewinnt Franz Erhard Walther den Goldenen Löwen als bester Künstler – und Anne Imhof den für den besten Pavillon. Wie deutsch ging es darin zu?

          7 Min.

          Die 57. Biennale von Venedig ist die zweite Station im Superkunstjahr 2017, nach der enttäuschenden Athener und vor der nunmehr bang erwarteten Kasseler Documenta, vor den Skulpturprojekten in Münster und noch lange vor dem langen, ereignislosen Sommer, den man brauchen wird, um sich von alldem wieder zu erholen. „Viva Arte Viva“ ist das Motto, eine Art Urschrei, mit dem die französische Kuratorin Christine Macel in Venedig die Kunst hochleben lässt. Eine Biennale der Künstler für Künstler, wie es heißt. Konsequenterweise hätte man auf sie als Kuratorin also verzichten können, aber das ist nicht geschehen. Macels Zugriff ist genauso autorenhaft und eklektisch wie der ihres Vorgängers Okwui Enwezor. Leider ist er auch misslungen; die Verantwortung für die gescheiterte Schau muss sie ganz allein tragen.

          Macel hat sich dafür entschieden, die einzelnen Kapitel ihrer Ausstellung ebenfalls Pavillons zu nennen: Pavillon der Künstler und der Bücher, Pavillon der Schamanen, Pavillon der Traditionen, der Erde, der Freuden und der Leiden, des Gemeinsamen („common“). Es gibt auch einen Dionysischen Pavillon, einen für Farben und einen für Zeit und Unendlichkeit. Diese Titel suggerieren letzte Dinge, unhintergehbare Essenzen, aus denen sich der Duft der Kunst zusammensetzt, und genauso duftig und wolkig ist die Ausstellung dann auch geworden. So viel Textil war nie, und wenn das nicht so inkorrekt wäre, dann würde man sagen, dass es die auf altmodische Art weiblichste Ausstellung ist, die man als Kritiker je gesehen hat: So viel Wallendes, Besticktes, Getöpfertes, so viel Pastell und Porzellan, so viele Puppen und Gestecke waren selten, waren nie, und das hat nichts mit dem Geschlecht der Künstler zu tun.

          Nie sieht man alles

          Am Eingang des Arsenale kann man seine löchrigen Kleider abgeben, und der Taiwanese Lee Mingwei macht sie wieder ganz, wobei er den Faden mit einer Garnrolle an der Wand verbindet, der sich so meterlang durch den Raum zieht. Cynthia Gutiérrez bringt Textilien aus der mexikanischen Region Oaxaca mit, die nach alter Tradition gewebt werden. Teresa Lanceta aus Barcelona webt Teppiche, und Leonor Antunes aus Lissabon hängt goldene Fäden und Murano-Lampen von der sehr hohen Decke, während gegenüber chinesische Malerei in zarten Tönen Landschaften an die Wand zaubert. Damit man so viel Dekoratives überhaupt erträgt, ist es gut, wenn ab und zu mal eine historische Position auftaucht und einen etwa über die Gruppe „The Play“ aus dem Japan der Sechziger informiert oder über eine Farmkommune zwischen zwei Autobahnauffahrten.

          Dressierte Körper: Anne Imhofs „Faust“-Performance im Deutschen Pavillon

          Dass eine Ausstellung schlecht ist, merkt man vor allem daran, dass eigentlich gute Künstler dafür keine allzu starken Arbeiten machen oder aber die guten darin wie verloren wirken, wie der 77-jährige Hesse Franz Erhard Walther, der dann auch prompt den Goldenen Löwen als bester Künstler verliehen bekam. Walthers Beitrag aus buntem Stoff soll nicht nur angeschaut, sondern benutzt werden, die gezeigten Werke entstanden zwischen 1975 und 1983. Die Neuseeländerin Francis Upritchard sollte man sich ansehen und ganz am Ende des Arsenale „Escalade Beyond Chromatic Lands“, eine riesige Stoffinstallation aus bunten Bällen von der nunmehr 83-jährigen Sheila Hicks, die bei Josef Albers und Louis Kahn studierte. Die alten Künstler rocken die Biennale.

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