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Kunst-Biennale in Havanna : Diesmal ist Kuba die Invasion recht

Es gibt drei Hauptorte der Ausstellung. Da ist zuerst die von den Spaniern in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts erbaute Festung La Cabaña an der Einfahrt zur Bucht von Havanna, von wo sich ein prächtiger Blick auf die Altstadt, La Habana Vieja, bietet. Dann das Messezentrum Pabellon Cuba im Stadtteil Vedado, einem früheren Waldschutzgehege, das erst nach 1900 bebaut werden durfte. Sowie der Malecón, die kilometerlange Uferpromenade entlang der Straße von Florida, die die Altstadt mit den jüngeren Stadtteilen im Westen Havannas verbindet. Im Nationalmuseum für Schöne Künste in der Altstadt ist eine Sonderausstellung mit hundert Werken aus dem New Yorker Bronx Museum of the Arts zu sehen. Im kommenden Jahr wird sich das Nationalmuseum Havanna mit einer Ausstellung von hundert Werken kubanischer Künstler von den sechziger Jahren bis zur Gegenwart in der Bronx revanchieren.

Zum Konzept der Biennale von Havanna gehört es seit je, den Künstlern buchstäblich die ganze Stadt zu öffnen: Havanna wird zu einer einzigen Freiluft-Galerie. Mitunter zwar klappert die präsentierte Aktionskunst zumal der Biennale-Teilnehmer aus dem Ausland recht hohl. Der Amerikaner Duke Riley aus Brooklyn hat am Malecón eine Eislaufbahn aus Kunststoff aufgestellt, komplett mit Schlittschuhen zum Ausleihen und englischsprachigen Aufschriften. Nach einem kleinen Ansturm an den ersten Tagen ist die Eisbahn jetzt meist verwaist, denn das Eis aus Kunststoff ist stumpf, und die Schlittschuhe rutschen kaum.

Fortgesetzt starkes Interesse findet dagegen die Installation „Resaca“ (Brandung) des vierzig Jahre alten Kubaners Arlés del Rio. Er hat am Malecón einen Sandstrand aufschütten lassen, mit Palmen, Sonnenschirmen und Liegestühlen, auf denen sich nach Schulschluss die Schüler des armen Stadtviertels Centro Havana in ihren Schuluniformen räkeln und die Aussicht auf die bröckelnden Fassaden der Uferpromenade genießen. Im Rücken der „Strandurlauber“ schlägt das Meer an die Ufermauer; darauf stehen die Angler und schmusen die Pärchen und sehen auf die Straße von Florida hinaus, jenes Sehnsuchtsmeer der Kubaner, das sie mit den Vereinigten Staaten verbindet und zugleich von ihnen trennt. In den Hunderten Werken der kubanischen Künstler widerspiegeln sich zerborstene Träume, die Entbehrungen des Alltags, die schizophrene Wirklichkeit eines Landes ohne Freiheit und Demokratie, dessen diktatorisches Regime die globale Emanzipation voranzutreiben behauptet.

Auf den ersten Blick mag das Künstlertreiben ebenso anarchisch-improvisiert erscheinen wie der Alltag der kubanischen Hauptstadt. Doch in Wahrheit kontrollieren das Castro-Regime und sein gigantischer Spitzel- und Überwachungsapparat jede Regung der gut elf Millionen Kubaner. Nur wer sich der Kritik an den bestehenden Verhältnissen enthält oder diese unerkannt in seine Werke zu schmuggeln versteht, darf an der Staatsveranstaltung „La Bienal de La Habana“ teilnehmen. Wie brutal das Regime nach wie vor auf jede Form der Dissidenz reagiert, muss die 46 Jahre alte kubanische Aktionskünstlerin Tania Bruguera seit Monaten erfahren.

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