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Beutekunst : Der große Raub

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Seit Jahren wird kritisiert, dass in deutschen Museen noch immer Raubkunst lagere, zusammen mit den angehäuften Reichtümern von Hitler bis Himmler. Warum ändert sich das nicht? Wer verhindert die Aufarbeitung?

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          Als der österreichische Maler Rudolf von Alt an seinem letzten Bild arbeitete, dem „Atelier des Künstlers“, konnte er nicht ahnen, in welchem Rad der Geschichte sein Werk zermahlen werden würde. Es war das Jahr 1905, Rudolf von Alt war zweiundneunzig Jahre alt, er starb im März, sein Gemälde blieb unvollendet; dort, wo der Künstler ins Bild treten sollte, blieb ein Fleck, weiß, schimmernd, wie eine Geistererscheinung. Zu Lebzeiten zählte von Alt zu den erfolgreichsten Malern des neunzehnten Jahrhunderts, seine Leidenschaft galt seiner Heimat Österreich, deren Städte, Gebäude und Landschaften er in meisterlichen Aquarellen wiedergab. Geliebt wurde er dafür von den Österreichern - und zwar auch jenen, die Franz Joseph I. 1867 endlich politisch gleichgestellt hatte: den jüdischen Österreichern. Sie hatten das Land, das ihnen diese Rechte gewährte, zu schätzen und zu lieben begonnen, und mit ihm Rudolf von Alt.

          Dann kam das Jahr 1938, der sogenannte „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, und es soll auf der Geburtstagsfeier von Rudolf Hess gewesen sein, dass Adolf Hitler bedauerte, wie wenig von Alt doch in Deutschland bekannt sei, und bat, man möge sich doch in Wien einmal nach Gemälden umsehen. In der Günstlingswirtschaft der Partei musste Hitler nicht befehlen, er konnte „bitten“; „umsehen“ hieß natürlich auch rauben, Tausende Juden waren bereits verhaftet worden, ihr Besitz beschlagnahmt. Mehr als sechshundert Bilder wurden zusammengerafft, von Alt ging danach als einer der Lieblingsmaler Adolf Hitlers in die Geschichte ein; von Alts jüdische Sammler wurden mit ihren Familien umgebracht, wenn sie nicht fliehen konnten.

          Immer noch in Bayern

          Warum sollte uns heute, im Jahr 2013, interessieren, wer damals Rudolf von Alt sammelte? Weil die etwa sechshundert damals zusammengetragenen Zeichnungen und Aquarelle bis heute in Staatsbesitz sind. Sie liegen in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München. Sie sind nur ein Fall von vielen, ein Fall allerdings, der zeigt, wie ein System weiterläuft, wo die Beharrungskräfte sind, was für ein Erbe deutsche Sammlungen antreten - bis heute. Damit kein Missverständnis entsteht: Bei etwa hundertfünfzig Bildern besteht der dringende Verdacht, dass diese im Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen wurden, was bedeutet: Sie gehören Erben.

          Es gibt eine Mitarbeiterin der Staatlichen Graphischen Sammlung, Meike Hopp, die über die sogenannte Rudolf-von-Alt-Aktion von 1938 forscht und geschrieben hat - in ihrer 2012 veröffentlichten Doktorarbeit „Kunsthandel im Nationalsozialismus. Adolf Weinmüller in München und Wien“. Im Falle des Aquarells „Atelier des Künstlers“ kann inzwischen fast lückenlos rekonstruiert werden, wem das Bild gehörte: einem jüdischen Großindustriellen aus Wien, selbst auch Maler, der 1944 zusammen mit seiner Frau in einem unbekannten Lager ermordet wurde, ihre Kinder konnten fliehen. Und trotzdem liegt es noch immer in Bayern, wie auch zahllose weitere Gemälde, Skulpturen, Möbel, Teppiche oder Schmuckstücke, die von den Nationalsozialisten geraubt worden waren und über die das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

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