https://www.faz.net/-gqz-wi4v

Besondere Vorlieben : Die Kunst, die Hitler sammelte

  • -Aktualisiert am

Von der Sekretärin gerettet

Rettung, zumindest für einige Gemälde, kam von Hitlers Sekretärin Christa Schroeder, die sein Interesse für die Malerei geteilt hatte. Wie sie Jahre später berichtete, organisierte sie einen Lastwagen und suchte sie „die wertvollsten Gemälde, alle künstlerischen Kostbarkeiten, Evas Tafelsilber, silberne Kassetten und so weiter in den Kavernen zusammen und beauftragte die Männer des BKD mit der Verladung: Es befanden sich sehr großflächige Gemälde darunter, wie zum Beispiel ein Bordone und ein Tintoretto, die, da die Treppe zur Straße zerstört, schwierig über den mit Schneematsch bedeckten Südhang zu transportieren waren.“

Ziel des ungewöhnlichen Transports war Schloss Fischhorn im Pinzgau, das wegen seiner Lage nur schwer einnehmbar war. Hier war eine Einheit der SS stationiert, hierhin hatte Hermann Fegelein nach dem Warschauer Aufstand im August 1944 die beschlagnahmten, noch in Warschau lagernden polnischen Kunstwerke abtransportiert. Die geraubten Werke füllten sechzehn Waggons. Auch der Kunsttransport aus dem Berghof hat seinen Zielort erreicht. Einige Privatgemälde Hitlers befinden sich heute im Nationalmuseum in Warschau, Bordones „Venus und Amor“ etwa und die „Römischen Ruinen“ von Giovanni Paolo Pannini, ein Gemälde, das in der verglasten Veranda gehangen hatte.

Ein vertrackter Fall von Raubkunst

Auch Hitlers Lieblingsgemälde, die Feuerbachsche „Nanna“, hat seinen Weg in ein Museum gefunden: Christa Schroeder nahm es mit auf ihre Flucht und hatte das Bild auch noch bei sich, als sie aufgegriffen und im Lager Mannheim-Seckenheim interniert wurde. Von hier aus ging es an den Collection Point für Kunstwerke in Wiesbaden. Da es aus „arischem“ Besitz von Hitler angekauft worden war, gelangte es in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland und befindet sich heute als Dauerleihgabe im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.

Der Cranachsche „Honigdieb“ war indes auf dem Obersalzberg verblieben und dann in ein Kunstlager der amerikanischen Militärverwaltung eingegangen. Dass der Kommandant hier einfach zugriff und das Gemälde verschenkte, war nicht legal, aber gängige Praxis. Eine Folge ist, dass immer noch eine große Lücke in der Provenienz klafft. Doch eine Spur könnte weiterführen: Der englische Journalist Ward Price, ein von Hitler hofierter Korrespondent der Daily Mail, erwähnte 1939 die Cranachsche Venus in der Münchner Wohnung und bemerkte zusätzlich, Hitler habe sie kürzlich erworben.

Es könnte sich also um diejenige „nackte Venus“ handeln, die der Thüringische Gauleiter Fritz Sauckel Hitler zum 50. Geburtstag am 21. April 1939 geschenkt hatte. Die Vermutung, dass es sich dabei um Raubkunst handelt, liegt nahe. Wie aber die Identität der Gemälde belegen, wenn wir nur schriftliche Nachrichten über und keine Reproduktion des Sauckelschen Geschenkes haben? Der vertrackte Fall der Cranachschen Venus mag einen Einblick in die Schwierigkeiten der Provenienzforschung geben, die in Zukunft noch viele solcher Fälle zu lösen haben wird. Bildquellen wie dem vorgestellten Album kommen bei dieser Aufgabe eine absolute Schlüsselrolle zu.

Weitere Themen

Monster im Werden

Suzanne Collins’ „Panem“-Prequel : Monster im Werden

In seiner Jugend musste Coriolanus Snow noch nicht den Geruch von Blut überdecken: In ihrem „Panem“-Prequel „Das Lied von Vogel und Schlange“ erzählt Suzanne Collins aus der Frühzeit der Hungerspiele.

Topmeldungen

Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

„Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.