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Beruf als Berufung : Wie konnten sie nur Künstler werden?

Neben einer zeitgenössischen Version von Leonardos „Dame mit Hermelin“: Carina Linge in ihrem Leipziger Atelier Bild: Thomas Xaver Dachs

In der Pandemie bekommen Künstler viel Mitgefühl. Dabei ist die Entscheidung für diesen Beruf schon in Normalzeiten schwer genug.

          6 Min.

          Drei Künstlerviten in Deutschland: Da wäre zum einen Aylin Leclaire, Bildhauerin mit Schwerpunkt auf sozialer Plastik, geboren 1992 in Duisburg, arbeitend in Düsseldorf, nehmen wir Carina Linge hinzu, geboren 1976 in Cuxhaven, die mit ihrem Atelier derzeit in Leipzig ansässig ist, blicken wir zuletzt auf Christoph Niemann, Jahrgang 1970, der lange in New York lebte, mittlerweile aber nach Berlin zurückgekehrt ist. Aus den grundunterschiedlichen Lebensläufen dieser drei Künstler lässt sich zumindest eine Gemeinsamkeit destillieren: Kunst ist auch anno 2021 Berufung. Wer unbedingt Künstler werden will, weiß, dass es zwar nach Klischee klingt, aber keines ist, wenn auf ihn harte, entbehrungsreiche Jahre zukommen. Und trotzdem wird diese Entscheidung immer wieder von jungen Menschen getroffen, selbst wenn die Eltern beim Auszug wie bei Carina Linge noch so oft „Kind – Kunst ist so brotlos!“ hinterherrufen (natürlich haben sie die Künstlerin weiterhin unterstützt).

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Offenbar ist, abseits des Theaters, heute nur noch in der Berufung zur Kunst ein Restbestand an Pathos zu erleben. Viele Künstler berichten von einer Art Damaskus-Erlebnis. Bei Aylin Leclaire, die als Kind durchaus von Alten Meistern im Museum beeindruckt war, trat es ein, als sie sich eines Tages in Düsseldorf verfuhr und an der Haltestelle „Tonhalle“ plötzlich das imposante Akademiegebäude erblickte, das sie geradezu zwang, wie sie sagt, es in einer Kohlezeichnung festzuhalten. Als Ausbildungsstätte würde es sie dann, nach einem Jahr „Schwarz-Studium zum Schnuppern“, magnetisch für die nächsten Jahre bannen. Bei der heute bis in die Vereinigten Staaten berühmten Jorinde Voigt, Jahrgang 1977, dauerte die Initialzündung etwas länger. Über ein Jahr lang blickte sie von einem Bürojob in einer Galerie aus auf „die Kunst“, um sich schließlich vollkommen sicher zu sein, dass nur kompromissloses Künstlertum für sie in Frage kommt.

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