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Berthe Morisot in Paris : Vom Sein der Frau im impressionistischen Bild

  • -Aktualisiert am

Lichtgestalt: Berthe Morisots „À la campagne (Après le déjeuner)“, 1881 Bild: Christie’s Images / Bridgeman Images

Das Pariser Musée d’Orsay zeigt eine virtuose Berthe Morisot. Dabei legt die Ausstellung den Schwerpunkt der Retrospektive auf die Figuren in ihren Bildern.

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          Um das Jahr 1868 stellt der Maler Henri Fantin-Latour die Schwestern Edma und Berthe Morisot dem schon gefeierten Édouard Manet vor. Berthe ist siebenundzwanzig und Edma neunundzwanzig Jahre alt, beide sind ambitionierte Malerinnen. Die jungen Damen seien charmant, verspricht Fantin-Latour kurz zuvor, dann spielt er auf ihr offenkundiges Talent an: „Es ist ärgerlich, dass sie keine Männer sind; als Frauen könnten sie allerdings der Sache der Malerei dienlich sein, indem sie beide einen Académicien heiraten.“ Als eheliche Muse hätten die Morisot-Schwestern also einen anerkannten Maler unterstützen dürfen.

          Die Bemerkung steckt den Rahmen ab, in den sich Berthe Morisot als Künstlerin in den folgenden zweieinhalb Jahrzehnten eines zu kurzen Lebens fügen muss. Edma, mit der sie von Jugend auf gemeinsam und von der Mutter unterstützt die Malerei erlernt hatte, heiratet ein Jahr später und legt Pinsel und Palette für immer beiseite. Auch einer der frühen Lehrer hatte gewarnt: Wenn die Morisot-Töchter mit ihrem Temperament sich für die Malerei entscheiden würden, dann wäre das „eine Revolution, wenn nicht eine Katastrophe“ für die Familie. Berthe Morisot wird den Weg der Revolution in Form einer klugen Gratwanderung gehen. Sie bleibt, etwa im Gegensatz zur Malerin Rosa Bonheur, den modischen und gesellschaftlichen Codes der Weiblichkeit treu und heiratet einige Jahre später den wenig ehrgeizigen Maler Eugène Manet, Bruder des großen Édouard. Allerdings behält sie ihren Namen bei und behauptet sich als Künstlerin; der Ehemann wird in ihrem Schatten bleiben. Obwohl Berthe Morisot mit Renoir, Monet, Degas oder Pissarro, mit denen sie ab den siebziger Jahren auch eng befreundet war, zu den Begründern und wichtigsten Malern des Impressionismus gehört, drängte die Kunstgeschichte mitsamt den musealen Institutionen sie nach ihrem Tod 1894 an den Rand eines männerzentrierten Blickfeldes. Morisot war deshalb lange Zeit eher durch die elf Porträts bekannt, die Édouard Manet von ihr hinterließ, als durch ihre eigene Arbeit. Selbst das Musée d’Orsay mit der weltweit größten Impressionismus-Sammlung bekennt sich im Katalog (der gerade im Hinblick auf das Frau-Sein in der Kunst besonders interessant ist) zu einem mea culpa. Seit der Eröffnung 1986 ist es nun, dank der Kuratorinnen Sylvie Patry und Nicole Myers, die erste Ausstellung, die Berthe Morisot gewidmet wird.

          Die Wahl des Sujets

          Es geht im Orsay-Museum also auch um eine späte Rehabilitierung. Durch die Zusammenarbeit mit dem Musée national des Beaux-Arts du Québec, der Barnes Foundation in Philadelphia und dem Dallas Museum of Art, wo die Retrospektive zuvor schon zu sehen war, konnten besonders viele Leihgaben vom nordamerikanischen Kontinent gewonnen werden. Der zugleich chronologische und thematische Parcours mit etwa 75 Gemälden lässt das Bild einer Malerin entstehen, die schon als junge Frau ihre Entschlossenheit zur künstlerischen Emanzipation beweist. 1864, sie ist erst 23 Jahre alt, wird zum ersten Mal eines ihrer Gemälde im Pariser Salon akzeptiert. Edgar Degas lädt sie zehn Jahre später ein, sich einer Gruppe junger, dem akademischen Salon abtrünniger Künstler anzuschließen, aus der die Impressionisten im Jahr 1874 mit einer ersten, damals polemisch kritisierten Schau hervorgehen werden.

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