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Berlins Museen : Wir sind keine wankelmütigen Visionäre

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Berliner Rochade: Ein Gespräch mit Peter-Klaus Schuster über die Zukunft der Flick Collection, die Baustelle Museumsinsel, die Pläne für den Schloßplatz und den Umzug der Alten Meister ins Bodemuseum.

          Berliner Rochade: Ein Gespräch mit Peter-Klaus Schuster über die Zukunft der Flick Collection, die Baustelle Museumsinsel, die Pläne für den Schloßplatz und den Umzug der Alten Meister ins Bodemuseum.

          Herr Schuster, die Erstpräsentation der „Friedrich Christian Flick Collection“ war ein Publikumserfolg, die Kritik ist weitgehend verstummt. Hatten Sie sich das so vorgestellt, als Sie von der „Ausstellung als Moratorium“ sprachen?

          Zufriedenheit ist hier sicher nicht das treffende Wort. Die Besucherzahlen - es kamen rund 250.000 - sind für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst ganz außergewöhnlich. Von daher sind wir der Ansicht, daß die Besucher unsere Ausstellung mit großem Interesse wahrgenommen haben und wir damit auch etwas sehr Richtiges und Wichtiges getan haben. Die Begleitveranstaltungen sind ebenso wahrgenommen worden wie der Zusammenhang der politischen Diskussion mit der Kunst.

          Diskutiert wurde aber weder über die Geschichte der Familie Flick noch über die Kunst in der Sammlung?

          Richtig, es war eher eine allgemeine Diskussion über das Erinnern in Deutschland, über Geschichtsvergessenheit und Geschichtsversessenheit. Diese Diskussion braucht aber visuelle Komplexe, um sich zu konkretisieren. Überrascht hat mich allerdings schon, wie die Gegner argumentiert haben: Sie forderten stets, entweder solle die Ausstellung geschlossen werden oder Flick solle seine Sammlung der Nationalgalerie schenken.

          Irgendein Schmerz mußte sein. Und es waren meist dieselben Leute, die beides forderten. Daneben gab es aber doch eine lebhafte Debatte über den Rang der Ausstellung und der Sammlung. Daß Berlin als Ort für zeitgenössische Kunst durch die Präsentation der Sammlung von Friedrich Christian Flick entschieden gewonnen hat, war nicht ernstlich strittig.

          Liegt die Zukunft der Flick Collection in Berlin?

          Wenn wir sinnvoll miteinander arbeiten, gibt es auch eine gemeinsame Zukunft. Daran hat auch Friedrich Christian Flick keinen Zweifel gelassen. Er benutzt gerne ein englisches Sprichwort, das die Situation treffend beschreibt: We will cross the bridge when we come to the bridge.

          Haben sich aus der Präsentation der Flick-Sammlung neue Perspektiven für die anderen Sammlungen ergeben?

          Wie wir mit den unterschiedlichen Sammlungen arbeiten, sehen Sie in den „Gegenwelten“ in der Neuen Nationalgalerie. Das ist eine Komposition aus den Beständen der Nationalgalerie, der Kunstbibliothek, des Kupferstichkabinetts und des Kunstgewerbemuseums, also aus all unseren Museumssammlungen zum zwanzigsten Jahrhundert - plus Werken aus der Sammlung Marc, plus Marzona, plus van de Loo, plus Flick.

          Flick gehört selbstverständlich zum Fundus der Sammlungen, mit denen wir arbeiten. Es sind Sammlungen, die Wahlverwandtschaften zu den Beständen der Nationalgalerie aufweisen. In dieser Weise komponieren wir auch zukünftig unsere Ausstellungen aus den gemeinsamen Beständen. Auch in der Rieck-Halle wird es nicht anders sein. Auch dort wird es kein absolutes Reservat für bestimmte Sammlungen geben, auch dort werden temporär sinnvolle Mischungen möglich sein.

          Welche Sammlungen fehlen Ihnen denn noch in Ihrem Portfolio?

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