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Berliner Stadtplanung : In welchen Häusern wollen wir in Zukunft wohnen?

Ein politischer Coup: Ab sofort gibt Berlin dreißig Millionen Euro für „experimentellen Geschosswohnungsbau“ aus. Was soll dort jetzt entstehen – und für wen? Ein Gespräch mit Regula Lüscher, der Stadtplanerin und Senatsbaudirektorin

          Berlin steigt endlich wieder in die Förderung des Wohnungsneubaus ein. Aber die Bevölkerung hat sich seit den siebziger Jahren, der letzten großen Dekade des öffentlichen Wohnungsbaus, stark verändert. Es gibt viel mehr Singles, weniger Familien – woher weiß man als Stadtplanerin eigentlich, für wen man baut, was die Bevölkerung braucht und will?

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt erarbeitet Stadtentwicklungspläne zum Wohnen, die auf statistischen Untersuchungen basieren. Wir wissen, dass Berlin eine Mieterstadt mit einem hohen Anteil an Ein-Personen-Haushalten ist. Die kleinen Wohnungen, die von den Wohnungsbaugesellschaften errichtet werden, decken den tatsächlichen Bedarf. Aber: Auch wenn wir gerade viele kleine Wohnungen produzieren, weil es auch um Quantitäten geht, dürfen wir die Wohnungen für Familien und familienähnliche Formen nicht vergessen.

          Was sind „familienähnliche Formen“?

          Die Vereinzelung des Wohnens in Ein-Personen-Haushalten führt zu neuen Wohnbedürfnissen, etwa dem Wunsch, Räume gemeinsam zu nutzen und Funktionen und Angebote zu teilen. Ich finde daher, dass das „familienähnliche“ Wohnen „allein und zusammen“ ein Thema ist, das man weiterentwickeln muss.

          Bisher gab es solche staatlichen Pilotprojekte nicht. Der Berliner Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel hat kürzlich erklärt, dass man in Berlin in den kommenden zehn Jahren mehr als hunderttausend neue Wohnungen bauen muss. Besteht nicht die Gefahr, dass die Wohnungsbaugesellschaften jetzt hektisch irgendwelche Behausungen errichten und Berlin noch ein paar tausend mehr von diesen trostlosen Standard-Wohnregalen bekommt?

          Es ist ja nicht so, dass überall schlechter Wohnungsneubau entsteht. In Karlshorst etwa hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge mit den Treskow-Höfen gerade über vierhundert Wohnungen fertiggestellt. Das ist guter und bezahlbarer Städtebau. Die Frage ist ja: Wie wollen wir in Zukunft wohnen, was könnte jenseits immer gleicher Bauten die Stadt weiterdenken, neu erleben lassen? Leider ist aus der Internationalen Bauausstellung, die die Frage nach der Zukunft des Wohnens in der Stadt stellen sollte, nichts geworden. Dafür haben wir mit den Wohnungsbaugesellschaften ein Workshopverfahren für ausgewählte Grundstücke ausgeschrieben. Wir haben die Architekten ausdrücklich eingeladen, experimentellere Formen des Wohnens auszuprobieren. Über die Ergebnisse gibt es jetzt eine Publikation unter dem Titel „Urban Living“ (Jovis Verlag), in der wirklich spannende Vorschläge zu sehen sind.

          Spannend vielleicht – aber was wird tatsächlich umgesetzt?

          Was sicher weiterentwickelt wird, ist das Thema „Hochhaus und Vorfabrikation“. Den Impuls dazu gab ein interessantes Projekt des Architekturbüros Barkow Leibinger, die Infraleichtbeton verwenden. Hier prüft eine Wohnungsbaugesellschaft sehr intensiv eine mögliche Realisierung. Ein Projekt von Bruno Fioretti Marquez Architekten, die eine Neuinterpretation des Berliner Blocks entworfen haben, ist Grundlage eines Bebauungsplans. Dort wollen wir verschiedene Formen hybriden Wohnens ausprobieren.

          „Hybrides Wohnen“?

          Hybrid bedeutet in diesem Fall, Wohnen und Arbeiten nicht mehr räumlich voneinander abzugrenzen – sondern Räume zu schaffen, in denen gewohnt und gearbeitet werden kann und die auch öffentlichen Nutzungen offenstehen.

          Die Trennung von Wohnen und Arbeiten ist eine der heiligen Kühe des Nachkriegswohnungsbaus. Es ist heute aufgrund der Baunutzungsverordnung fast nicht möglich, Städte zu bauen, die die Dichte und Lebendigkeit jener italienischen Kleinstädte haben, die alle so schön finden. Wie wollen Sie es schaffen, dass ein Bäcker wieder in einem Neubaugebiet produzieren kann?

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