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Berliner Stadtplanung : In welchen Häusern wollen wir in Zukunft wohnen?

Gewerbe und Handwerksbetriebe sind heute viel sauberer und wohnungsverträglicher, als sie es früher waren. Man muss sicher die planungsrechtlichen Grundlagen dazu noch mal politisch anfassen. Ich glaube, die Probleme des aktuellen Wohnungsbaus haben auch mit den Gebäudestrukturen zu tun. Was bauen wir? Wir wollen Erdgeschosse haben, die hybrid nutzbar sind, in denen man arbeiten kann, die aber auch Cafés oder Restaurants werden könnten, fünf Meter hoch, flexibel nutzbar, als Arbeits- oder Kollektivräume fürs Haus, aber auch als öffentlich zugängliche Orte. So etwas sieht man heute schon in Baugruppenprojekten...

... die meist private Initiativen sind, keine staatlichen...

...genau. Und warum sieht man es da? Weil die Nutzer selbst bauen, für sich, nicht für einen abstrakten Kunden. Die wissen selbst, was ihre Bedürfnisse sind. Sie wagen Experimente, weil sie wissen, dass sie den Bau nicht vermarkten müssen. Wir haben viele Beispiele etwa in Zürich, in denen dieses Zusammenspiel von Gewerbenutzung im Erdgeschoss, kollektiven Wohnzimmern, Kleinwohnungen, die dann zugeschaltete Gemeinschaftsräume haben, gebaut wurde und die auch gut funktionieren. Bei vielen gibt es auch zumietbare Bereiche, von denen wir immer zu wenig haben.

Wozu braucht man die?

Zum Beispiel, wenn die Eltern alt werden, ist es gut, wenn die Kinder nahe an ihrer Mietwohnung zumietbare Bereiche haben, um die Eltern aufzunehmen.

Was kann der Staat tun, um diese von privaten Initiativen erprobten Modelle, die ja auch Gesellschaftsentwürfe im Kleinen sind, weiterzuentwickeln?

Man kann Sonderprogramme auflegen wie das „Urban living“, mit denen man auch die Wohnungsbaugesellschaften ins Boot holt. Man kann einen Etat organisieren und ein Verfahren verabreden, um neue Wohnformen zu erproben und um jungen, frischen Architekten eine Chance zu geben. Der Senat hat jetzt für dreißig Millionen Euro ein Sonderprogramm für experimentellen Wohnungsbau aufgelegt. Da können Private, Baugruppen, Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, Investorenentwickler und öffentliche Bauherren Projekte anmelden, die nach festgelegten Kriterien beurteilt werden.

Was wären solche Kriterien?

Es geht vorrangig um kostengünstigen Wohnungsbau. Aber auch darum, welche Standards wir wirklich brauchen. Wie viel kann man gemeinsam bewirtschaften, wie viel muss individuell nutzbar sein. Was sind die richtigen Konzepte für den demographischen Wandel? Und wir suchen Konzepte für das Thema intelligentes, serielles Bauen.

Also nicht mehr Plattenbau, sondern...

...individualisierte Vorfabrikation im Zusammenhang mit dem Thema nachwachsender Ressourcen: So ist Holzbau im mehrgeschossigen Wohnungsbau ein wichtiger Schwerpunkt, und auch die Erprobung von Materialien, die eine Alternative zu den problematischen Wärmedämmverbundsystemen darstellen.

Woher kommen die Gelder für dieses ambitionierte Programm?

Die Mittel dafür werden zwischen Senat und Abgeordnetenhaus ausgehandelt. Weil Berlin eine wachsende Stadt ist, mit mehr Menschen, die hier leben und arbeiten, stehen zusätzliche Steuermittel dafür zur Verfügung. Wir haben die Verantwortung für die Produktion neuer Wohnungen, ein Teil der Ressourcen dafür muss auch in den experimentellen Wohnbau gehen. Wir müssen wissen, wie wir mit neuen Wohntypologien und Bautechnologien auf ökologische, demographische, technologische und soziologische Herausforderungen intelligent und zukunftsfähig reagieren können.

Berlin war bisher nicht für solche Experimente, sondern eher als Hauptstadt der Stadtbildretusche bekannt. Hilft es, dass der neue Bürgermeister zuvor Senator für Stadtentwicklung war?

Das ist eine große Unterstützung. Aber es war auch der neue Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen, der noch mal neue Impulse gesetzt hat neben dem Senator für Stadtentwicklung, Andreas Geisel. Es hilft auch, dass der für Wohnungsbau zuständige Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup jemand ist, der aus der Stadtplanung kommt und weiß, wie wichtig Experimente sind. Es arbeiten viele gute Leute am zurzeit wichtigsten Thema der Stadt.

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