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Berliner Kunst-Kontroverse : Der Provokateur hat es nicht schwer

  • -Aktualisiert am

Was ist los in Berlin? Die Biennale für Gegenwartskunst macht den polnischen Künstler Artur Zmijewski zu ihrem Kurator. Dafür wird sie bereits vor der Eröffnung heftig kritisiert.

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          Der Künstler Artur Zmijewski kommt zu spät. Er setzt sich einige Plätze weiter auf ein Sofa im Café der Berliner Kunstwerke. Fragt aus der Ferne, was wir denn eigentlich von ihm wollten. Das ist eine gute Frage: Seit vielen Jahren müssen wir die Unerbittlichkeit seiner Kunst aushalten - auf der Biennale 2005 im polnischen Pavillon, auf der Kasseler Documenta 2007 und in vielen anderen Ausstellungen. Welchen Grund sollte es geben, einen Menschen zu treffen, der Nackte in einer Gaskammer beim „Fangspiel“ zeigt und gleichzeitig will, dass wir uns von unserer grausamen Geschichte befreien? Der ehemalige KZ-Häftlinge dazu überredet, sich ihre verblassten Häftlingsnummern neu tätowieren zu lassen? Und der trotz alledem ein gerngesehener Gast bei Ausstellungsmachern ist, die sich an ihrem Umgang mit heiklen Themen messen lassen wollen. Warum treffen wir ihn?

          Die Vermittlung seiner persönlichen Sicht auf die Welt begrenzte sich bisher auf seine eigenen Werke. Jetzt aber hat man ihn zum Kurator der Berlin Biennale 2012 ernannt, unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes mit rund zwei Millionen Euro. Artur Zmijewski ist unzufrieden mit der Gegenwart, sagt er. Wir partizipierten nicht mehr. Wir seien nicht involviert. Die Politiker seien Professionelle, aber keine Vertreter des Volkes. Aber er sei natürlich kein Diktator, der das Leben der Menschen grundlegend verändern wolle. Dennoch sei er davon überzeugt, Kunst funktioniere ähnlich wie die Politik: „Kunst kennt alle möglichen Formen von Werkzeugen, von der abstrakten Kunst bis eben auch zur politischen Propaganda.“

          Umstrittenes Buch-Recycling

          Wir treffen Zmijewski an dem Ort, an dem 1998 die Biennale von Klaus Biesenbach gegründet wurde. Die Kunstwerke in Berlin Mitte sind eines der wichtigsten Zentren für experimentelle junge Kunst. Zuletzt überzeugte das Ausstellungshaus mit einer differenzierten Schau über die Bilderflut in den Medien. Plakative Botschaften kann man ihm nicht vorwerfen.Und nun Artur Zmijewski.

          Zmijewski assoziiert Büchereien, wo andere an Bücherverbrennungen denken. Er wundere sich immer wieder, bei welchen Themen die Deutschen sofort Flammen vor Augen hätten. Das Biennale-Projekt von Martin Zet löste jetzt Unverständnis aus, als er dazu aufrief, möglichst viele Exemplare des Buches „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin zu sammeln und sich des Werks zu entledigen: „Ab einem bestimmten Moment ist es nicht mehr wichtig, was die Qualität oder wahre Intention eines Buches ist, sondern welchen Effekt es in der deutschen Gesellschaft hat“, erklärte Zet. Die Bücher sollen in einer Installation gezeigt und später für einen guten Zweck recycelt werden. Nach der medialen Empörung distanzierten sich einige Institutionen vom Vorhaben, für das sie Sammelstellen bereitgestellt hatten. Zet und Zmijewski aber wollen weitermachen. Das alles sei typisch deutsch, sagt Zmijewski: „Es hat doch Überlegungen gegeben, aus Sarrazins Büchern neue Notizbücher zu machen, in die neue Inhalte reingeschrieben würden.“ Wir Deutschen hätten keine Identität, würden belastet durch unsere Vergangenheit.

          Ein schweigsames Museum

          Das Café ist Zmijewski zu laut. Er sucht einen anderen Raum. Er ist lässig schwarz gekleidet. Dreht sein Mobiltelefon in der Hand hin und her. Er steht unter Druck, schaut lieber weg als seinem Gegenüber in die Augen, spricht konzentriert, als würde jemand hinter ihm flüstern: Pass auf, was Du sagst. Nur einmal bricht es aus ihm heraus: „Ich finde es gut, dass die Berliner „Combats“ uns in Warschau geholfen haben gegen die Faschisten“. Gemeint ist die Antifa, die nach Polen fuhr, um bei einer Schlägerei zu helfen.

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