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Beckmann und Dix in Mannheim : Diese Bilder sprechen für sich

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Verwandt in Gegensätzen: Die Mannheimer Kunsthalle eröffnet mit Max Beckmann und Otto Dix nach drei Jahren ihren sanierten Jugendstilbau.

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          Die Kunsthalle Mannheim ist dabei, sich neu zu positionieren. Mit der Ausstellung „Dix/Beckmann: Mythos Welt“, die die zwei großen Meister in bisher nie gewagter Form einander gegenüberstellt, wurde der gründlich sanierte Jugendstilbau nach dreijähriger Schließzeit wiedereröffnet. Er wirkt nun innen insgesamt luftiger und dank freigelegter Tageslichtdecken auch deutlich heller.

          Ein zweiter aus den achtziger Jahren stammender Bau, der ebenfalls zur Kunsthalle gehört, wird demnächst abgerissen und 2017 durch einen Neubau ersetzt. Was nach einer Aufräumaktion aussieht, soll allerdings laut Direktorin Ulrike Lorenz nicht nur den Blick auf zeitgenössische Kunstströmungen ermöglichen. Ihr liegt auch daran, auf den historischen Beitrag der Mannheimer Kunsthalle im Bereich der Moderne aufmerksam zu machen, schließlich habe das Haus in der NS-Zeit rund achthundert Werke verloren.

          Einen erheblichen Teil der Künstler, die damals als „entartet“ verfemt wurden, hatte nämlich der einstige Leiter der Kunsthalle, Gustav Friedrich Hartlaub, 1925 in der Wanderausstellung „Neue Sachlichkeit“ versammelt und damit Kunstgeschichte geschrieben. Max Beckmann wie Otto Dix galten manchen damals schon als Antipoden einer „nachexpressionistischen“ Malerei - eine Sichtweise, die sich auch lange nach 1945 hartnäckig hielt und erst durch die sich stark intensivierende Forschung der letzten Jahrzehnte in Frage gestellt wird.

          Zwischen Rebellion und Tradition

          Die Dix-Expertin Ulrike Lorenz, die soeben tausend seiner Briefe und Postkarten herausgebracht hat („Otto Dix. Briefe“, Wienand Verlag), hat es schon immer gereizt, die beiden Maler museal miteinander zu konfrontieren; in der Beckmann-Forscherin Beatrice von Bormann (Amsterdam) hat sie die adäquate Mitkuratorin gefunden. Den ersten direkten Vergleich der beiden Maler unternahmen bereits 1996 die Kunsthistoriker Birgit Schwarz und Michael Viktor Schwarz in einer spannenden Studie. Verglichen mit dieser kommt ihr Beitrag im Katalog der Mannheimer Schau, die in fünfzehn thematisch geordneten Räumen 100 Gemälde und 165 Aquarelle, Zeichnungen und Graphiken präsentiert, ein wenig brav daher.

          So verrät der Katalogtext nicht, dass sich Beckmann 1923 über den auch Dix vertretenden Kunsthändler Nierendorf beklagte, er schalte ihn „fast vollkommen aus und dixst mit Energie weiter“. Dafür erfährt man, dass der mehrmals verwundete Frontsoldat Dix später auf Nachfrage die Kriegserfahrung des Älteren abschätzig mit „Sanitäter!“ kommentierte. Auch wenn sich die beiden Künstlerpersönlichkeiten gegenseitig bewusst zu ignorieren schienen, sei, so Frau Lorenz im Gespräch, davon auszugehen, dass sie einander zumindest zeitweise wahrnahmen.

          Eindeutige Belege für wechselseitige Anleihen oder Abgrenzungen im Werk der beiden können die Forscher freilich nicht liefern. Die Kuratorinnen lassen deshalb die Bilder für sich sprechen und verfolgen bei der Gegenüberstellung einen chronologischen wie stilistisch-inhaltlichen Ansatz. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts suchen beide Künstler gezielt den Anschluss an neue Trends. Beckmann reibt sich am Postimpressionismus, ohne den Kunstgeschmack bürgerlicher Kreise, aus denen er selbst stammt, aus den Augen zu verlieren.

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