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Bauhaus-Schule in Weimar : Wie Gropius einen Namen stahl

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Das Bauhausgebäude in Dessau-Roßlau, Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Hat Walter Gropius den Namen für sein „Bauhaus“ womöglich nur geklaut? Schon 1915 gründete der Architekt und Unternehmer Albert Gessner in Berlin eine „Bauhaus GmbH“ – vier Jahre vor Gropius’ berühmter Kunstschule in Weimar.

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          Historiker sind bislang davon ausgegangen, dass es Walter Gropius war, der 1919 den Namen „Bauhaus“ für die von ihm konzipierte Schule geprägt hat. Oft wird angemerkt, wie brillant diese „eigene Wortschöpfung“ war, die den Wechsel von der „Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule“ in Weimar in eine neue Institution signalisierte, die zugänglicher, direkter und bescheidener sein wollte und sowohl einen Neuanfang versprach, als auch an die Tradition mittelalterlicher Bauhütten anknüpfte.

          Doch als Gropius im April 1919 seine Schule in Weimar gründete, existierte bereits seit vier Jahren in Berlin eine „Bauhaus GmbH“. Gründer und Inhaber war der prominente Architekt und Unternehmer Albert Gessner. Er hatte 1909 ein umfangreiches Buch zum Mietshausbau publiziert und eine Reihe großer Mietshausgruppen in eigener Regie errichtet. Seine Bauten hatten für ihre einfallsreichen Gliederungen, die auffallende Farbigkeit ihrer Fassaden und die sorgfältige Raumgliederung im Innern begeisterte Kritiken erhalten. Julius Posener hielt Gessner für den „entschiedensten Reformer der Mietwohnung“.

          Neue Alternative für das „Berliner Zimmer“

          Sein wohl prominentester Baublock war der „Sophie-Charlottenpark“ an der Ecke von Bismarck- und Grolmanstraße in Berlin-Charlottenburg, erbaut 1905 bis 1907 und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im dazugehörigen Haus in der Bismarckstraße 9 wohnte Gessner selbst mit seiner Familie und betrieb sein Büro. Besonders Gessners Ecklösung dort fand oft bewundernde Erwähnung – anstelle einer üblichen Ecklösung für Blockrandbebauungen mit ihrem lichtlosen „Berliner Zimmer“ öffnete Gessner die Ecke für einen Garten, den er im Erdgeschoss mit einem niedrigen Cafébau von der Straße abschottete. Die Giebel der angrenzenden Wohnhäuser kollidierten geradezu in der Tiefe, was zu einer bewegten, dramatischen Silhouette führte. Gessner und Gropius kannten sich aus dem Deutschen Werkbund, dem Gessner von Anfang an angehörte – in der Tat war Gessner an der Gründung selbst nicht unbeteiligt gewesen.

          Er hatte 1902 eine Künstlergruppe namens „Werkring“ ins Leben gerufen, der unter anderen die Architekten Alfred Grenander, August Endell und Bruno Möhring angehörten sowie Bildhauer, Maler und ein Emailleur. Die Gruppe stellte auf zahlreichen Ausstellungen aus, wo sie dem herrschenden Jugendstil eine vereinfachte Raumgestaltung entgegensetzte. Der Werkring war eine der Inspirationen für den Deutschen Werkbund, der 1907 gegründet wurde, und ging in ihm auf.

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          Zwei Jahre später rief Gessner eine neue Institution ins Leben, die er „Werkhaus“ nannte. Das Werkhaus, eine „Institution zur Herstellung von Möbeln, Inventar und Kunstgewerbe“, war für einige Jahre sehr erfolgreich und unterhielt 1914 vier Ladengeschäfte in Berlin, in denen Objekte, die Gessner entworfen hatte, verkauft wurden, unter anderem Möbel, Geschirr, Lampen und Türbeschläge. „Das Werkhaus erblickt seine Aufgabe darin, allen im Handel befindlichen Bauteilen ein einheitlich künstlerisches Gepräge zu geben und wenn möglich diese Bauteile zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen“, schrieb Gessner in einer seiner Verkaufsbroschüren.

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