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Bauhaus-Jubiläum in NRW : Geburtstag feiern mit László, Oskar, Mies und Anni

Das Musterhaus „Am Horn“ in Weimar, entworfen vom Künstler Georg Muche, diente als Vorlage für das „Landhaus Ilse“ im siegerländischen Burbach. Bild: Foto Planquadrat

Das Bauhaus hat in Nordrhein-Westfalen kaum Spuren hinterlassen. Trotzdem feiert man auch dort den hundertsten Geburtstag der Reformschule der Künste – mit Anbiederung und Geschichtsklitterungen.

          5 Min.

          Wenn am 16. Januar in der Berliner Akademie der Künste das „große Eröffnungsfestival“ zum Bauhaus-Jubiläum beginnt, möchte Nordrhein-Westfalen nicht beiseitestehen. Der hundertste Geburtstag wird deutschlandweit gefeiert, elf Bundesländer beteiligen sich, die Kulturstiftung des Bundes lässt die Fördergelder sprudeln. „100 jahre bauhaus im westen“: Das nordrhein-westfälische Projekt, veranstaltet vom Kulturministerium und den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe, suggeriert schon mit der Kleinschreibung Vertrautheit mit dem Thema, twittert unter dem anbiedernden Hashtag #bauhauswow und spricht die Protagonisten mit den Vornamen an: „geburtstag feiern mit lászló, oskar, mies und anni“.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Gemeint sind László Moholy-Nagy, Oskar Schlemmer und Ludwig Mies van der Rohe, die Meister am Bauhaus waren, sowie Anni Albers, die von 1922 an dort studierte, 1925 ihren Lehrer Josef Albers heiratete und 1931 die Leitung der Webereiwerkstatt von Gunta Stölzl übernahm. Dass Mies als Einziger beim Nachnamen genannt wird, den er erst 1922 um den Geburtsnamen seiner Mutter (van der Rohe) ergänzte, lässt eine Ahnung auf Seiten der Projekterfinder vermuten, dass man es mit der kumpelhaften Vereinnahmung lieber doch nicht übertreiben sollte. Die Website „bauhaus100-im-westen“ und ein bunter Flyer können es nicht verhehlen: Von den Architekten, die mit Werken in NRW angeführt werden, war nur einer am Bauhaus – eben Ludwig Mies van der Rohe. Alle anderen waren es nicht: Alfred Fischer, Dominikus Böhm, Fritz Schupp und Martin Kremmer, Wilhelm Kreis, Caspar Maria Grod und Wilhelm Riphahn, Bruno Paul, Otto Bartning und Rudolf Schwarz haben dort weder unterrichtet noch studiert.

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