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Barbara Klemm wird 70 : Bewahren Sie Ruhe und bleiben Sie in Bewegung!

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Zum siebzigsten Geburtstag von Barbara Klemm: Die langjährige Redaktionsfotografin der F.A.Z. ist eine der größten Künstlerinnen ihres Metiers. Hier erklärt sie, wie gute Aufnahmen entstehen.

          7 Min.

          Barbara Klemm feiert am 27. Dezember ihren siebzigsten Geburtstag. Die langjährige Redaktionsfotografin der F.A.Z. ist eine der größten Künstlerinnen ihres Metiers. Im Gespräch mit Verena Lueken erklärt sie, wie gute Aufnahmen entstehen.

          Ein großer Teil Ihrer Arbeit für die Frankfurter Allgemeine Zeitung waren die Reisen, die Sie mit den Korrespondenten gemacht haben. Erinnern Sie sich an die erste dieser Reisen?

          Ja, die ging nach Polen. Da hat die Zeitung mich hingeschickt, als die Verhandlungen für die Ostverträge begannen. Das war 1970. Ich war gerade festangestellt worden und wurde gleich in den Osten geschickt. Zu dieser Zeit war eine solche Reise ja nicht so ganz leicht.

          Mit wem sind Sie gefahren?

          Damals war Bernhard Heimrich Korrespondent. Wir hatten einen Übersetzer dabei, der gleichzeitig natürlich der Aufpasser war. Schwierig für mich war, dass bei den Verhandlungen unser Außenminister Walter Scheel meist nicht da war. Ich musste auch etwas Politisches nach Hause bringen, also wollte ich den deutschen und den polnischen Außenminister zusammen auf einem Bild haben. Der Pressesprecher sagte mir, es gebe nur ein gemeinsames Abendessen, und da sei keine Presse zugelassen. Aber ich könne mich ja vor das Hotel stellen. Ich dachte, das wird natürlich nichts, zumal ich wie immer keinen Blitz hatte und auch keinen benutzen wollte. Es war November, und es war nass. Also habe ich mir einen Rock angezogen, meine Tasche umgehängt, alle Apparate eingesteckt und bin schnurstracks durch die Hotelhalle, die voller Sicherheitsleute war, gelaufen. Ich hatte die Nase sehr weit oben - da sah ich eine offene Tür, in der Männer in Anzügen und auch Walter Scheel standen. Auf die bin ich zugesteuert. Als Scheel mich sah, fragte er: „Was machen Sie denn hier?“ „Oh“, hab ich gesagt, „ich will fotografieren.“ Da sagte er: „Na, dann bleiben Sie mal da.“

          Kannte Scheel Sie denn?

          Er kannte mich aus dem Jahr zuvor. Bei den Bundestagswahlen 1969 hatte die NPD zum ersten Mal einen Saalschutz aufgestellt, und es gab eine große Schlägerei im Cantate-Saal in Frankfurt. Da habe ich ein Bild gemacht, das durch die europäische Presse gegangen ist. Zuerst hat es die F.A.Z. gedruckt und dann der „Spiegel“, der „Observer“ in England und „Paris Match“ und viele andere.

          Was war das für ein Bild?

          Es waren nur drei Männer darauf, die in der Ecke standen. Die Schlacht war schon vorbei, als ich ankam. Aber diese feisten Kerle - das war so eine Gruppierung, bei der sich etwas entlarvt hat, das an den Saalschutz des „Dritten Reichs“ erinnerte. Eigentlich war es ein ziemlich harmloses Bild. Gleichzeitig hat es etwas sehr Bedrohliches ausgedrückt. Walter Scheel sagte mir damals, ich hätte damit mehr als alle Parteien dazu beigetragen, dass die NPD nicht in den Bundestag kam. Ich glaube, es ist das einzige meiner Bilder, das eine politische Wirkung hatte. Deshalb war Walter Scheel mir sehr zugewandt. In diesem Hotel in Warschau konnte ich bis zum Anfang des Abendessens bleiben. Schließlich waren beide Außenminister im Saal, und hinter ihnen hing ein Gobelin mit einer Liebesszene. Ich habe zweimal auf den Auslöser gedrückt, dann hat der Pressesprecher gesagt: „Ich glaube, jetzt reicht es.“ Ich habe gesagt: „Ja, vielen Dank“ und bin verschwunden.

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