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Banksys Concept Store : Verstörender Haushaltsbedarf

  • -Aktualisiert am

Das Schaufenster von Banksys Shop Bild: Reuters

Banksy hat den dystopischen Concept Store „Gross Domestic Product“ im Süden Londons eröffnet. Allerdings nicht, um damit Geld zu verdienen.

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          Seit der Nacht von Montag auf Dienstag gibt es bei einem Schaufensterbummel durch Croydon Ungewöhnliches zu sehen: ein Baby-Mobile aus Überwachungskameras, Discokugeln aus Polizeischutzhelmen, ein Ziegelstein an Taschenhenkeln – laut Produktbeschreibung für modebewusste Menschen konzipiert, die keine klassische Handtasche brauchen und jederzeit bereit sein wollen, sich zu verteidigen.

          Banksy hat im Süden Londons eine neue Installation eröffnet: einen dystopischen Concept Store namens „Gross Domestic Product“ ­– was in dem Kontext eher für verstörenden Haushaltsbedarf statt Bruttoinlandsprodukt steht. Betretbar ist der Laden nicht, er dient bloß als Schaufenster. Zu erwerben sind einige limitierte Produkte allerdings in Kürze auf der Webseite des Ladens: signierte Sprühdosen, Exemplare der kugelsicheren Weste, die der Rapper Stormzy in Glastonbury trug, oder ein Tigerteppich, inspiriert nicht durch Trophäenjagd, sondern die Comicfigur von Kellogg's. Banksy, der durch das Schreddern seines eigenen Kunstwerks bei dessen Versteigerung im letzten Jahr ein Stück Kunstgeschichte mitgeschrieben hat, agierte bei seinem neuesten Streich aus Zugzwang.

          Mini-Ausstellung „Gross Domestic Product“ von Banksy in Croydon

          Der Shop sei das Ergebnis eines Rechtsstreits, so der Streetart-Künstler auf Instagram. Da er keine Produkte unter der Marke Banksy verkaufe, habe eine Grußkartenfirma versucht, sich den Namen anzueignen – das Gesetz sieht vor, dass eine Marke transferiert werden kann, solange ihr Besitzer sie nicht selbst verwendet. Die Lösung: „unpraktische und offensive“ Haushaltswaren in einem leerstehenden Eckladen unter seinem Markennamen vertreiben. An diesem Punkt passt sich Banksys Kapitalismuskritik dem Markt an, um nicht von ihm aufgefressen zu werden – auf aktivistische Weise: Die Einnahmen der aus Rettungswesten genähten Matten mit „Welcome“-Schriftzug gehen an Geflüchtete, außerdem soll ein von den italienischen Behörden beschlagnahmtes Seenotrettungsschiff ersetzt werden.

          Banksy, dessen Verständnis von Copyright ein lockeres ist und der stets dazu ermutigte, seine Kunst zu kopieren, zu stehlen und abzuändern, will seinen Namen gesichert wissen – und um als Einziger unter seinem Namen Kritik an Politik und Kunstmarkt üben zu können, produziert er subversiv Kunst für den Markt. Morgen soll sein Bild „Devolved Parliament“ des von Schimpansen besetzten Unterhauses bei Sotheby’s auktioniert werden. Kurz vor dem geplanten Brexit-Datum wird der Verkaufspreis auf 1,7 Millionen Euro angesetzt. Wie subversiv Banksy sich auch gebiert, der Kunstmarkt liebt ihn bedingungslos.

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