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Banksy bearbeitet New York : Seine Sphinx stand in Queens

  • -Aktualisiert am

Banksys Aktion „Better Out Than In“ verwandelt ganz New York in eine Galerie und Kunstzirkusmanege. Und was sagt der saubere Bürgermeister Bloomberg dazu?

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          Banksy ist in New York. Oder soll in New York sein. So genau kann das ja niemand wissen, weil der Graffitikünstler, im Gegensatz zu seiner Graffitikunst, die er immer wieder einmal hier und da hinterlässt, nie zu sehen ist. Jedenfalls behauptet Banksy aus dem Off, mit seinem Team durch New York zu ziehen, um die Stadt einen Monat lang künstlerisch zu bearbeiten. Und in der Tat passiert seit dem 1. Oktober so gut wie jeden Tag etwas, das auf Banksy nicht nur zurückgehen dürfte, sondern von ihm umgehend auch authentifiziert wird, nämlich im Internet. Dort hat er die Website „Better Out Than In“ erstellt, die nichts anderes als das offizielle Werkverzeichnis seiner New Yorker Gastarbeitertage ist. Mit dem Motto spielt er auf keinen geringeren Kollegen als Paul Cézanne an, von dem er gelernt hat, dass die Bilder, die drinnen im Atelier entstanden sind, nie so gut sein können wie die von draußen an der frischen Luft. Nun denn.

          New York : Banksy für 60 Dollar statt 20.000 Dollar verkauft

          So lückenlos, wie die Website Banksys Aktivitäten in Bild und Wort und Video auch dokumentieren mag, verschweigt sie doch einen wesentlichen Teil der Kunstproduktion. Denn Banksy hat einen neuen Mitarbeiter, der zugleich Konkurrent und Gegenspieler ist. Sein Name: New York. Was als Zusammenarbeit beginnt, endet nicht selten in einem Zusammenprall. Vor ein paar Tagen etwa hat Banksy im Stadtteil Queens die Sphinx von Gizeh hinterlassen, als Kleinkopie aus zertrümmerten Zementblöcken, malerisch gespiegelt in einer Pfütze. Kaum war das Minimonument an der gottverlassenen Ecke entdeckt, wurde es von dem findigen Besitzer eines nahen Autoscheibengeschäfts wieder abgebaut und abtransportiert. Auf Wunsch, wie er angab, einer Sammlerin.

          Banksy-Fälschungen mit Zertifikat

          Die Rede war auch von einem Lastwagen, den eine Galerie vorbeigeschickt haben sollte. Diskret geschwiegen wurde über die Entlohnung. Dagegen wollte fast niemand die kleinen Leinwände haben, die Banksy am Central Park verkaufen wollte. Obwohl signiert, wurden sie nur als „Spray Art“ angeboten, für sechzig Dollar das Stück. Echte Banksys, freilich ohne den erkennbaren Nimbus des finanziellen Gegenwerts. Nach einem zähen Verkaufstag befanden sich 420 Dollar in der Kasse, dank drei Käufern, unter ihnen ein Mann aus Chicago, der in seinem neuen Haus zu viele leere Wände hatte und gleich vier Bilder mitnahm.

          Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Fortgesetzt wurde sie kurz darauf von zwei gewitzten Kunstunternehmern, die falsche Banksys am selben Ort feilhielten, ebenfalls für sechzig Dollar und, total geradlinig, mit einem „Inauthentizitätszertifikat“ versehen. Alle vierzig Fälschungen gingen weg. Entweder umweht die Aura des Stars auch seine Nachahmer, oder die Wut über die verpasste Chance war bei einigen Fans und Investoren so groß, dass sie wild entschlossen versuchten, sich mit Fakes zu trösten.

          Das Seufzen des Bürgermeisters

          Um Geld ging es auch in Brooklyn, wo zwei Männer den putzigen Biber, der scheinbar den Mast eines Parkverbotsschilds abgenagt hatte, mit einem Karton verhüllten und zwanzig Dollar von jedem verlangten, der das Straßenkunstwerk fotografieren oder auch nur betrachten wollte. Dass Kunst heute mehr denn je in Geld gemessen wird, hat sich halt in allen Bevölkerungsschichten herumgesprochen. Solche Reaktionen waren sicher vorauszusehen, wenn nicht eingeplant. Um Kunst, Geld und Geldgier auf einen Nenner zu bringen, brauchen wir eigentlich keine Nachhilfe von Banksy. Interessanter wird die Sache, sobald die Aktion selbst für Gesprächsstoff sorgt oder, noch besser, auf Widerstand trifft.

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