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Balenciaga-Ausstellung : Stolz in Kleidern

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Mona von Bismarck war die beste Kundin des Modemeisters Cristóbal de Balenciaga. Warum ihr die Mode des Spaniers so sehr gefallen hat, versucht Hubert de Givenchy zu erklären: „Was Sie hier sehen, ist eine Lektion der Eleganz.“

          Mona von Bismarck war eine tapfere Frau. Als ihr Schneider Cristobal de Balenciaga („Designer ABC“: B wie Balenciaga) 1972 starb, schloß sie sich drei Tage lang in ihrem Zimmer ein. Doch dann kam sie wieder heraus. Wie alle treuen Balenciaga-Fans ging sie zu Hubert de Givenchy, um für den Rest ihres Lebens nicht ausschließlich in alten Kleidern herumlaufen zu müssen.

          Die Tochter eines Pferdefarm-Managers aus Kentucky hatte mit neunundzwanzig das Finanzgenie Harrison Williams geehelicht, einen der reichsten Männer Amerikas. Dank ihres Stilgefühls und seiner Mittel wurde sie schnell zur bestgekleideten Frau der Vereinigten Staaten und galt dank eines 1933 unter anderem von Coco Chanel („Designer ABC“: C wie Chanel) abgegebenen Votums als bestangezogene Frau der Welt. Als Balenciaga in den fünfziger Jahren zu Weltruhm gelangte, war Williams eben gestorben, und Mona trat wenige Monate darauf mit Graf Eduard von Bismarck, einem Enkel des Reichskanzlers, von neuem in den Ehestand. Inzwischen ging die 1897 Geborene auf die Sechzig zu und brauchte einen Couturier wie Balenciaga, um ihren Ruf in der Jetset-Welt zu halten.

          „Sie müssen nicht schön sein“

          Der geborene Baske schneiderte nicht einfach prächtige Roben, die alle Blicke auf sich lenkten, er entwarf Kleider, die die Trägerin transfigurierten, und das im wörtlichen Sinn. „Sie müssen nicht schön sein“, lautete der einzige Werbespruch, den er sich je erlaubte, „meine Kleider erledigen das für Sie.“ Der Couturier, den die Pariser Meister einstimmig zu ihrem Gott erkoren, übte sein Metier mit der düsteren Entschlossenheit eines Visionärs und der selbstlosen Hingabe eines leidenschaftlichen Handwerkers aus. Er war der letzte Designer, der es wagen konnte, seine Kunst gegen das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit ins Feld zu führen. Er verzichtete auf Anzeigen und stellte seine Kollektionen der Presse erst einen Monat nach den Defilees für Privatkunden vor. Seine Preise waren so hoch, daß er sich diesen Luxus leisten konnte.

          Aus dieser Zeit des modischen Absolutismus sind nur Yves Saint Laurent und Hubert de Givenchy noch unter uns. Ersterer hat sich so sehr in die innere Emigration begeben, daß ihm selbst Givenchy keinerlei Kommentar zu Balenciaga entlocken konnte. Dafür hat Givenchy dezidierte Meinungen zur Entwicklung seit Balenciaga: „Alles, was ich sehe, ist fürchterlich. Die Mode ist schlimmer denn je. Die Mannequins sehen bedauernswert aus, sie sind nicht gepflegt, die Kleider haben keinerlei Form. Es ist schmerzlich und nicht sehr ermutigend, wir reden besser nicht davon.“

          Nachlaßverwalter einer Epoche

          Givenchy hat sich zum Nachlaßverwalter einer Epoche gemacht, in der Hollywoods Glamour, Pariser Chic und New Yorker Scharfzüngigkeit zum Frühstück bei Tiffany zusammenkamen. Vor drei Jahren präsentierte er in Budapest die von ihm geschneiderte Garderobe Audrey Hepburns, mit der ihn eine langjährige Freundschaft verband. Nicht weniger innig war seine Beziehung zu Balenciaga. 2007 wird unter Givenchys Regie die Balenciaga-Stiftung in dessen Heimatort Guetaria eingeweiht. Und heute eröffnet in der Pariser „Mona Bismarck Foundation“ eine von ihm kuratierte Ausstellung von gut zwei Dutzend Kreationen, die Balenciaga für Gräfin Bismarck schuf und die diese nach seinem Tod Givenchy vermachte.

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