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Ausstellungen : MoMA geht, Flick kommt

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Mit einem Feuerwerk, einer Besucherzahl von 1,2 Millionen und einem Überschuß von 6,5 Millionen Euro ist in Berlin die MoMA-Ausstellung zu Ende gegangen. Die nächste Großausstellung öffnet schon am Dienstag.

          Die Berliner MoMA-Ausstellung hat wegen der großen Besucherzahl überraschend einen Überschuß von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftet.

          Mit 1,2 Millionen Besuchern sei die Ausstellung mit rund 200 Werken aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) eine der erfolgreichsten Ausstellungen weltweit gewesen, sagte der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Neuen Nationalgalerie, Peter Raue, am Montag.

          200.000 Kataloge verkauft

          Wegen der großen Besucherzahl seien die Kosten für eine stärkere Klimaanlage und zusätzliches Personal auf 12,5 Millionen Euro gestiegen. Zunächst waren acht Millionen Euro veranschlagt worden. Die Übernahme der Versicherungskosten durch den Bund, der günstige Dollar-Kurs und ein Zwischenkredit des Sponsors Deutsche Bank seien große Entlastungen gewesen. Allein durch den niedrigen Dollar-Kurs sparten die Ausstellungsmacher 1,7 Millionen Euro. Insgesamt wurden 200.000 Kataloge verkauft.

          MoMA-Direktor Glenn Lowry zeigte sich „überwältigt“ vom Erfolg. Gleichzeitig wies er den in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Werner Spies aufgestellten Vorwurf zurück, die Bilderauswahl sei eine „amerikanische Unfehlbarkeitserklärung“ gewesen. Die Präsentation sei kein „Kanon“ der Moderne, sondern ein Überblick der MoMA-Sammlung als wichtigste Kunstkollektion des 20. Jahrhunderts. Spies hatte den Ausstellungsmachern vorgeworfen, kaum europäische Künstler aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gezeigt zu haben.

          Raue: Großes Publikum erreicht

          Als „dummes Zeug“ wies Raue Behauptungen zurück, die Ausstellung sei wegen des „Event-Charakters“ der Warteschlange so erfolgreich gewesen. „Niemand wartet stundenlang, wenn er nicht auch große Kunst erleben möchte“, sagte Raue. Etwa die Hälfte der Besucher habe nie oder sehr selten ein Museum besucht. „Wir wollten vor allem dieses Publikum erreichen - und haben es auch geschafft.“

          Der Überschuß soll in neue Kunstprojekte des Vereins fließen. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, betonte, eine Sanierung der Neuen Nationalgalerie stehe nicht an. Oberste Priorität habe der Aus- und Umbau der Museumsinsel. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, die Ausstellung habe die ganze Stadt bewegt.

          Die MoMA-Ausstellung war am Sonntag nach sieben Monaten zu Ende gegangen. Zum Abschluß gab es ein Feuerwerk auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie, vor der die Besucher Schlange gestanden hatten. Sie nahmen Wartezeiten bis zu zehn Stunden in Kauf, um die 200 Meisterwerke aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) aus dem 20. Jahrhundert zu sehen.

          Thank you, Berlin

          „Auf Wiedersehen, MoMA“ und „Thank you, Berlin“ stand auf den Plakaten, die hinter dem letzten Besucher in der Schlange gezeigt wurden. Jetzt sollen die Bilder und Skulpturen vom 20. November an im umgebauten MoMA in New York wieder ausgestellt werden.

          Die Ausstellung in Berlin war am 20. Februar eröffnet worden. Der Verein der Freunde der Neuen Nationalgalerie hatte mit zunächst 750.000 Besuchern gerechnet. Damit sollten die auf 8,5 Millionen Euro veranschlagten Kosten gedeckt werden. Wegen des großen Publikumszuspruchs stiegen die Kosten auf mehr als 13 Millionen Euro.

          Unglück bei der Abschlußfeier

          Überschattet wurde die Abschlußfeier von einem Unglücksfall unter den Schaulustigen des Feuerwerks. Ein Zuschauer war von einer steinernen Balustrade an der Staatsbibliothek gegenüber der Neuen Nationalgalerie mehrere Meter tief abgestürzt. Die Feuerwehr war mit Notärzten am Ort und lieferte den Verletzten in ein Krankenhaus ein.

          Berlin bietet von diesem Mittwoch an eine neue Attraktion für Kunstliebhaber. Im Museum für Gegenwart-Hamburger Bahnhof eröffnet die „Flick Collection“. Der Sammler Friedrich Christian Flick stellt für sieben Jahre seine umstrittene Kollektion mit 2500 Werken aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus, die auch mit Geldern von Flicks Großvater erworben wurden, der zu Hitlers Rüstungslieferanten gehörte. Die Sammlung wird am Dienstagabend von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Flick eröffnet.

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