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Picasso Museum in Málaga : Die Spur führt nach Deutschland

Nie mehr kehrte Pablo Picasso in seine Heimatstadt Málaga zurück. Doch sie hat ihm ein Museum gewidmet. Dort wird jetzt gezeigt, was der Maler der deutschen Kunstszene zu verdanken hat.

          Picasso-Museen gibt es in Paris und in Barcelona - und es gibt ein Picasso-Museum in Málaga, wo er am 25. Oktober 1881 geboren wurde. Dort läuft derzeit eine bemerkenswerte Ausstellung, unter dem etwas enigmatischen Titel „Picasso - Registros Alemanes“. Das ist nicht so einfach zu übersetzen, „Deutsche Register“ liegt nah, doch es geht da auch um ein Durchsuchen, das Protokollieren einer komplexen Wahlverwandtschaft zwischen dem spanischen Großmeister und deutschen Künstlern nämlich: Für diese Bezüge entfaltet die Schau ein veritables Panoptikum, bis in feine Verästelungen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Eine eindrucksvolle Fülle von Exponaten, von Gemälden, Graphiken und Skulpturen, ist mit Dokumenten unterfüttert, die Schlaglichter auf die europäische Moderne überhaupt werfen. Mehr als siebzig Arbeiten Picassos sind mit mehr als hundert Werken seiner deutschen Zeitgenossen zusammengeführt - von Paula ModersohnBecker oder Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, von Hannah Höch, Max Beckmann oder Max Ernst. Sie umfassen den Zeitraum von 1905 bis 1955, als die erste Documenta in Kassel stattfand, mit der ihr Leiter Arnold Bode nicht zuletzt den künstlerischen Aufbruch nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs zeigen wollte; in Kassel hing damals auch Picassos „Mädchen vor dem Spiegel“ von 1932, als ein Zeugnis freien Schaffens.

          Es lässt sich ja nicht behaupten, dass Picasso die deutsche Kunstszene seiner Gegenwart merklich beachtet hätte - weder in den Anfängen noch später, also den Expressionismus oder die deutsche Nachkriegskunst. Allerdings ist sein Aufstieg zum Star der globalen Moderne mit deutschstämmigen Kunsthändlern verbunden, allen voran Daniel-Henry Kahnweiler, der, 1884 in Mannheim geboren, 1907 eine erste Galerie in Paris eröffnete; bereits 1911 nahm er auch Picasso unter Vertrag. Tatsächlich war Picasso im Lauf seines langen Lebens niemals in Deutschland.

          Es kommt zum Vis-à-vis von Bildern, die für nie geschehene Begegnungen stehen

          Dennoch fand seine erste große Einzelausstellung 1913 in der Modernen Galerie von Heinrich Thannhauser in München statt. Thannhauser stand den französischen Impressionisten nah, aber auch der deutschen Avantgarde, dem „Blauen Reiter“. Und als Wassily Kandinsky und Franz Marc 1912 ihren programmatischen Almanach „Der Blaue Reiter“ veröffentlichten, war für den Russen und den Deutschen der junge Picasso bereits ein Leitstern. Unter den deutschsprachigen Schriftstellern war es Rainer Maria Rilke, der sich während seines Aufenthalts in Paris Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts und später in München für Picassos Blaue und Rosa Periode begeisterte, danach die Bedeutung des Kubismus erkannte und darüber geschrieben hat.

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