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VR-Performances in der Kunst : Aktionen in endlosem Weiß

Der Körper als Material: Va-Bene Elikem Fiatsi mit seiner Performance „WounNded-wouNd“ in „Whiteout“ Bild: NRW-Forum Düsseldorf, New Scenario

Was bleibt von der Performance-Kunst, wenn sie in virtueller Realität stattfindet? Das NRW-Forum Düsseldorf macht mit seiner Gruppenausstellung „Whiteout“ die Probe aufs Exempel.

          Unendlich dehnt sich der weiße Raum in der virtuellen Welt, die Museumsbesucher im NRW-Forum Düsseldorf betreten können. Erst scheint die Leere absolut, dann tauchen menschliche Figuren auf. Langsam rücken sie näher, bis der Betrachter die ins Nichts Geworfenen bei dem beobachten kann, was sie tun: Da verschränken vier auf dem Boden liegende Akteure um die Künstlerin Maria Hassabi tänzerisch ihre Leiber ineinander und verknoten sich zu einer lebendigen Skulptur; dort filmt ein Kameramann, wie ein Mann – der Performance-Künstler Christian Falsnaes – sich auf die Kommandos einer Frau hin in immer wilderen Bewegungen verausgabt; und an anderer Stelle tritt ein als Frau gekleideter schwarzer Mann, Va-Bene Elikem Fiatsi, der unter dem Pseudonym crazinisT artisT auftritt, an eine weiße Toilettenschüssel und beginnt, in dieser nach Unterwäsche zu tauchen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Seit die Performance-Kunst in den sechziger Jahren die Grenzen zwischen freier Theaterszene und Museum zu verwischen begann, stellt sie körperliche Präsenz in den Mittelpunkt – radikaler und auf andere Weise als das traditionelle Sprechtheater. Ein Schauspieler, der eine Bühnenrolle ausfüllt, verschwindet hinter der Figur, die er verkörpert. Sein realer Körper werde überdeckt von einem semiotischen, heißt es in der Theatertheorie. Bei der Performance (die natürlich auf das Theater zurückwirkte) ist das anders: Dem Ritual näherstehend, bringen ihre Akteure sich physisch ganz ein. Marina Abramović als wohl bekannteste Performance-Künstlerin exerziert diese Selbstpreisgabe immer wieder neu. Der Zuschauer wird vom passiven Beobachter zum involvierten Teilnehmer. Die körperliche Anwesenheit des Publikums, das zumindest potentiell in eine Interaktion mit dem Akteur oder der Akteurin treten kann, schafft mit am Werk auf Zeit: der Performance.

          Was aber geschieht, wenn das Hier und Jetzt des Ereignisses in den virtuellen Raum überführt wird? Performances zu filmen oder zu fotografieren war immer eine unbefriedigende Lösung, die eher dokumentarischen Wert hatte. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob man Joseph Beuys beim stillen Gespräch mit einem toten Hasen zugesehen hat, damals, am 16. November 1965 in der Galerie Schmela in Düsseldorf, oder ob man heute Bildspuren davon auf den Bildschirm lädt. Dabeisein ist alles in der Aktionskunst; Videos und Fotos können den räumlichen und zeitlichen Abstand nur bedingt überwinden. Das eigentliche Werk bleibt ephemer.

          Lebendige Skulptur: Die Performance der Künstlerin Maria Hassabi in „Whiteout“

          Kein Wunder also, dass die Virtual-Reality-Technik nun als neues Medium für Performances entdeckt wird. Mit einer VR-Brille und Kopfhörern ausgestattet, taucht man visuell und auditiv in eine andere Welt ein. VR schafft die Illusion, wirklich anderswo zu sein, in einer Situation, nicht außerhalb des Rahmens: Das ist die vielbeschworene Immersion.

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