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Ausstellung: Trisha Donnelly im Portikus : Mehr Labradoreszenz!

Wo sie war, ist hinterher ein gefühltes Loch in der Wand: Trisha Donnelly zählt zu den wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation. Jetzt werden ihre neuen Arbeiten im Portikus in Frankfurt gezeigt.

          Eine Zeitlang habe ich Trisha Donnelly für eine Erfindung gehalten. Es gab Leute, die behaupteten, es gäbe sie wirklich, aber diese Leute hatten auch nur von ihr gehört - und von ihren Arbeiten. Bei der ersten Moskau-Biennale hieß es, Trisha Donnelly sei da, sie spiele akustische Hieroglyphen, ein Zischen und Brummen, über die baufällige Lautsprecheranlage des alten Lenin-Museums ab, es klinge, als ob jemand versuchte, aus dem Jenseits Anweisungen zu morsen. Aber die wenigsten hatten wirklich etwas gehört.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Auf der Yokohama-Triennale, an der sie offiziell teilnahm, tauchte nur ein dürres, in dieser Dürre sehr poetisches Schreiben auf, das auf ihre Existenz verwies: „Trisha Donnelly is working in another time and another place.“ Der über so viel konzeptionellen Minimalismus erbosten Triennaleleitung wurde mitgeteilt, Donnelly sei im Süden Japans gesichtet worden. Aber wo?

          Auf ihrem Pferd in der Nacht verschwunden

          Die Suche nach Trisha Donnelly begann der Jagd nach einer seltenen Spezies zu ähneln. Hinzu kam die Geschichte über eine Aktion, mit der die amerikanische, 1974 in San Francisco geborene Künstlerin 2002 schlagartig berühmt wurde, eine Geschichte, die sie selber nicht mehr hören kann, weil jeder, der sie trifft, sie auf das Pferd anspricht.

          Bei diesem Auftritt hatte sich Donnelly nämlich als Kurier Napoleons verkleidet, ein Pferd bestiegen und war - was nach den Anschlägen von 2001 nicht so einfach war, man war allem Ungewöhnlichen gegenüber sehr skeptisch, vor allem einer Frau, die zu Pferd nach Manhattan einritt - bis vor die Casey Kaplan Gallery in Chelsea geritten, wo sie, immer noch zu Pferde, die folgende Botschaft verlas: „Seien Sie still, und hören Sie mir zu. Ich bin nur ein Bote. Aber ich bringe Neues von der Zerstörung. Wenn das Wort Kapitulation wirklich nötig ist, so soll es denn sein . . . Der Kaiser ist gefallen, er legt seine Last auf eure Seele und die meine, und hiermit bin ich elektrisch. Ich bin elektrisch.“

          Woraufhin sie ihr Pferd gewendet hatte und in der Nacht verschwand.

          Es gibt sie wirklich

          Hieß es. Aber auch das hatte keiner persönlich erlebt, es gibt keine Filme, und der Kritiker Jerry Saltz, der erklärte, er habe bei der Aktion sein „ästhetisches Herz“ an Donnelly verloren, geriet in Verdacht, Teil einer Verschwörung zu sein.

          Aber es gibt Donnelly, ich habe sie in Oslo gesehen, wo sie in einem Verwaltungsbau auftrat und ein sehr schönes Lied von Nina Simone sang und wieder verschwand, und in Frankfurt, wo sie seit Samstag neue Arbeiten zeigt. Und was sieht man in dieser Ausstellung?

          - Steine. Vier Marmorplatten, in die etwas eingeritzt ist.
          - Und was?
          - Das kann man nicht sagen. Formen.
          - Was gibt es dort außerdem?
          - Eine Sound-Arbeit. Zwei Prints von Fotografien, eins zeigt den Pazifik. Und eine kleinere Marmorarbeit.

          Wie weit kann eine Form gedehnt, überspannt werden?

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