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Ritter-Ausstellung in New York : Kaiserliches Wettrüsten

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Diesem stählernen Handschuh will man lieber nicht in die Finger geraten: Arbeitskleidung für Ritter aus der Zeit um 1490 Bild: George Etheredge/The New York Times

Kunst aus der Waffenkammer: Das Metropolitan Museum stellt Maximilian I. als Rüstungensammler vor. Die beeindruckende Vielfalt der Exponate bezeugt die Leidenschaft des Habsburgers – und seinen Einfallsreichtum.

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          Die großen Meister der Renaissance? Wer die Ausstellung im Metropolitan Museums sieht, mag seine Liste fortan um die Namen Seusenhofer, Helmschmid, Grünewald und Rieder ergänzen. Glaubt man der Schau, dann genossen diese Schmiede am Hof des römisch-deutschen Kaisers Maximilian I. das Ansehen ihrer malenden Zeitgenossen. Ihre Kunst, die Herstellung von Rüstung und Waffen, erlebte unter der Ägide des „letzten Ritters“ und Habsburgerkaisers um 1500 eine späte Blütezeit.

          In „The Last Knight – The Art, Armor, and Ambition of Maximilian I“ unternimmt das New Yorker Museum eine Wiederentdeckung dieser Kunst. Im Fokus steht dabei der enorme Einfluss der Plattnerei auf Macht und Stellung Maximilians im politischen Gefüge seiner Zeit. Am Leben und Wirken des Kaisers dokumentiert das Met aber auch den überraschend konkreten Einfluss des Herrschers auf die Produktion seiner Schmiede.

          Die gut ein Dutzend Prunkrüstungen und mehr als doppelt so viele Rüstungsteile aus der Waffenkammer des Kaisers paart die Schau mit einer Fülle an Zeichnungen, Drucken und Dokumenten, die Maximilians um 1500 bereits historischen Rückgriff aufs Ritterideal anhand der konkreten politischen Herausforderungen seiner Zeit erklären. Eine meisterhaft gefertigte Feldrüstung aus der Werkstatt des Augsburgers Helmschmid etwa kombiniert ein Korsettimitat um die schlanke Taille mit überaus fein gewirktem Kupferbesatz an Saum und Ärmeln und langen, modisch spitz zulaufenden Schuhen.

          Weniger Geschichte, mehr Prunk

          Als bemerkenswertes Amalgam aus ritterlichem Anspruch und tagespolitischer Realität konnte der Panzer dem jungen Herrscher in all seiner Finesse als machtpolitische Visitenkarte dienen. Durch Heirat und frühen Tod der Gattin war Maximilian bereits mit zwanzig Jahren zum burgundischen Thronfolger avanciert – sowohl bei den skeptischen Untertanen als auch bei den geopolitischen Rivalen musste sich der Habsburgerprinz seine Autorität aber erst noch verdienen. Dem raffinierten Kampfornat gelingt in dieser Hinsicht Bemerkenswertes: Wie nebenbei passt sich der Panzer der kindlichen Statur des blutjungen Königs an – ohne sie als mögliche Bürde zu betonen.

          Mit Prunkstücken wie diesem zementierte Maximilian zugleich die Machtansprüche, die er nach seinem Sieg über die Franzosen auf europäischer Bühne früh gültig machte. Der öffentliche Triumph im Fußkampf über den burgundischen Ritter Claude de Vaudrey etwa brachte ihm als Trophäe dessen beeindruckende Turnierrüstung ein. In New York steht sie neben seinem eigenen Exemplar – im Unterschied zum Schick der Feldrüstung fallen die beiden Modelle fürs Turnier in ihrer golemhaften Form schlichter aus, ganz ohne jegliches Ornament bedecken die Harnische auch die letzte Fuge mit Platten aus hartem Stahl. Maximilians Rüstungseifer wird zum Ausweis für die rapide Expansion des Habsburgerreichs unter seiner Führung. Kampf und Rüstung wurden ihm im Lauf seiner erfolgreichen Regentschaft immer stärker auch zu Mitteln einer geschickten Repräsentanz und Öffentlichkeitsarbeit, die 1508 in der Ernennung zum erwählten römisch-deutschen Kaiser gipfelte.

          Die Schau verzichtet dabei auf den allzu ausführlichen Blick ins Geschichtsbuch, die geopolitischen Verwerfungen veranschaulicht stattdessen weitaus handfester des Kaisers nicht weniger gut dokumentierter Spleen für das Sammeln und Verschenken von Rüstungen. Die größtenteils mit Leihgaben aus Wien, Innsbruck, Madrid und Paris gestemmte Ausstellung verfolgt Aufstieg und Fall der Rüstkunst so als außergewöhnliche Symbiose aus kaiserlicher Finanz, vorteilhafter Ressourcenwirtschaft, expansiver Machtpolitik und einem Pool an Könnern.

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