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Salz-Ausstellung in Salzburg : Alles eine Frage des Geschmacks

  • -Aktualisiert am

Sigalit Landau: Hebung des Tutus aus dem Wasser des Toten Meeres Bild: Shaxaf Haber

In Salzburg setzt sich die israelische Künstlerin Sigalit Landau in vielen Metaphern mit dem Mineral auseinander, das der Stadt ihren Namen gab – und mit ihrer eigenen Geschichte.

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          Flirrendes Treiben traute James Joyce dieser Region nicht gerade zu. In seinem „Ulysses“ schrieb er: „Vulkanischer See, das tote Meer: kein Fisch, keine Vegetation, tief eingesackt in der Erde ... giftige neblige Wasser ... die Städte der Ebene: Sodom, Gomorrha, Edom. Alles tote Namen.“ Verbessert hat sich seitdem nicht viel. Im Gegenteil. Wegen der andauernden Eingriffe ist im Toten Meer inzwischen keinerlei Leben mehr nachweisbar. Dafür aber jede Menge bildende Kunst.

          Seit fünfzehn Jahren wählt Sigalit Landau diese zum Stillstand verdammten Wassermassen als Bühne eines von der Menschheit verursachten Schiffbruchs und zugleich als politische Landschaft, in der sich die Konflikte des Hinterlandes spiegeln. Hier entstehen die meisten ihrer Werke. Das Museum der Moderne teilt sie in Salzburg an zwei Standorten leider allzu ordnungswütig in sich ausschließende Sphären auf. Während im abgedunkelten Rupertinum die Videos flackern, glitzern auf dem Mönchsberg die Salzskulpturen in einer inflationären Fülle, die ihrer Wirkkraft nicht guttut. Dabei ist die erste Begegnung mit ihnen durchaus verblüffend.

          Dass sie das Ergebnis von hochsommerlich aufgeheizten Temperaturen sind, ohne die der Prozess der Kristallisation im Toten Meer keine Chance hätte, sieht man ihnen nicht an. Das gilt auch für die Frage nach dem wahren Urheber dieser scheinbar aus unzähligen Diamanten verschweißten Preziosen, denn die Mitwirkung von Landau, 1969 in Jerusalem geboren, beschränkt sich lediglich darauf, mit ihren Kunststudenten in ihr „Studio“ zu tauchen und allerlei Gegenstände des täglichen Gebrauchs mit Gewichten und Schnüren möglichst nah am Meeresboden zu befestigen.

          „Naschereien des Todes“

          Die Zeit tut das Übrige, um ein Korsett, Fahrräder, Fischernetze oder ein Cello in einen verwunschenen Zustand zu versetzen, als hätte eine Schneekönigin ihren Zauberstab eingesetzt und alle Überbleibsel mit einer weißen Decke bedeckt, ein verschneites Paradies, wie das, von dem Landau immer wieder von ihren aus Wien vertriebenen Eltern hörte, die sich zurück in eine idealisierte Vorkriegszeit sehnten.

          Kein Eis: „Salt Years“

          Das tat auch einer der Großväter, ein Holocaust-Überlebender, der in seinem Süßwarenladen Zeitungen aus Österreich und Osteuropa verkaufte. Obwohl sie als Kind „Süß“ genannt wurde, war es Landau untersagt, die Süßigkeiten zu kaufen. Zu traumatisch waren die Erinnerungen der Familie an die Umstände der Einwanderung nach Israel. Die „Naschereien des Todes“, wie sie sagt, waren nur für die Kunden vorgesehen. Nicht so der vom Schwefelschlamm getrübte See, auf dem es sich die Familie gut gehen ließ, in der Hoffnung, das Salz könnte das Gedächtnis auslöschen.

          Viele der fragilen Skulpturen haben nur eine kurze Lebensdauer, wie etwa das in Stücke zerbrochene Kleid „Crystal Bride“ von 2016, das in den zwanziger Jahren die Schauspielerin Hanna Rovina in der Moskauer Aufführung des jüdischen Klassikers „Der Dibbuk“ trug und von dessen Salz-Replik nur noch ein Ärmel und eine Fotografie existieren. Hinter den verkrusteten Transformationen fächert Landau immer wieder spannende Geschichten wie diese auf, die aber nicht jedes Objekt auf Anhieb preiszugeben vermag.

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