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Ausstellung: Robert Gober in Basel : Der Blick des Waschbeckens

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Nie hat Robert Gober einen Gebrauchsgegenstand übernommen und ihn nur in eine neue Ding- und Raumbeziehung gebracht. Nie ist irgendetwas „Readymade“ in diesem Werk, immer ist alles hergestellt, nachgestellt, nachgebaut ohne Bauplan. Und die vielen Varianten der Formen, ihre Dehnungen und Stauchungen, sind wie ein Zoom, der sie näher heranholt oder auf Abstand hält, etwas schärfer sehen oder lieber im Unklaren belassen will. Das ist sehr eigentümlich, wie da die Dinge anspielen, wie sie in ihrer poweren Inhaltlichkeit ungemütliche Haus- und Heimassoziationen wecken und gleich wieder zu minimalistischen Skulpturen erstarren.

Zwischen Gesundheit und Gefängnis

Eine Erfahrung, die für die anderen Werkgruppen nicht weniger gilt. Für die Sessel, Betten, Glühlampen, Schlittschuhe, für die gefalteten Türprofile, Gitterbetten und Laufställe. Auf der riesenhaften Ausstellungsbühne des „Schaulagers“ könnte man angesichts der nach allen Regeln der Geometrie verschobenen Holzgitter gut an eine Art Wiederaufführung der strengen Sechzigerjahre-Kunst denken, wenn die Kinderzimmer-Anmutung nicht doch so zwingend wäre und man nur für einen Augenblick loskäme von den zwiespältigen Gefühlen des ersten Schutzes und der ersten Dressur.

Sie kommt einem ziemlich unangenehm vor, die Kunst des Robert Gober. Und die großen Raum-Tableaux, die in den letzten zwanzig Jahren da und dort zu sehen waren und nun in der Basler Ausstellung gemeinsam wiederaufgeführt werden, sind alle nicht von der Art, dass man ihrer Poesie vollends trauen möchte. Wenn die Wände im einem großen Kabinett mit sonnig grüner Waldlandschaft bemalt sind und das Wasser aus offenen Hähnen in die Waschbecken strömt, dann sieht und hört und spürt man schon das gesunde Idyll. Aber wie gehören die Zeitungsbündel dazu, die auf dem Boden liegen? Und die Gefängnisfenster, die am oberen Rand die Waldkulisse durchbrechen? Und was bedeutet es, dass man durch die Tür in eine Dunkelzelle gelangt, in der es zurück-, aber nicht weitergeht?

Und immer dieser haarige Hautkranz

Nie hat man die Sicherheit, etwas ganz aufgeschlossen, ganz verstanden zu haben. Nie macht etwas den Eindruck eines geschlossenen Ganzen. Auch das Körperthema, das immer wieder anklingt, zerfällt in seine Teile. Geschlechtsteile als dunkle Tapete. Ein Wachstorso mit männlicher und weiblicher Brusthälfte. Kinderbeine, die wie der Siphon unter den Waschbecken hängen. Überhaupt diese Beine. Einzeln oder als Paar. Nackt oder bekleidet. Und immer dieser haarige Hautkranz zwischen Socke und Hosenaufschlag. Sie liegen auf dem Boden und stoßen an die Wand, als hätten sie sich durchgedrückt vom unzugänglichen Raum dahinter.

Die stärksten Bilder sind die, die nur Bilderreste sind. Und als die ehrbare Frau Irene die zerschundenen Sebastiansleibreste aus dem Abwasser fischte, war das fürwahr eine fromme Tat. Aber doch auch der Versuch, ein arges Bild zu halten, bevor es zerfließt in den Stoffwechselprozessen namens Leben.

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