https://www.faz.net/-gqz-9ubdu

Bronzeskulpturen in Florenz : Der Stolz des Gießers

Ist die „Badende Venus“ von Giambologna oder nicht? In jedem Fall ist sie mit dem versonnenen Blick und ihrer lebensnahen oliven Patina ein Hauptstück der Ausstellung „Plasmato dal fuoco“ in Florenz. Bild: Palazzo Pitti

Graf Zahl der Medicis: Der Florentiner Palazzo Pitti zeigt in der Ausstellung „Plasmato dal Fuoco“ die Schönheit der Bronzeskulpturen unter den letzten Medici-Großherzögen. Und eine ganz besondere „Venus“.

          2 Min.

          Im Florentiner Palazzo Pitti, der zu den Uffizien gehört, ist die Ausstellung „Plasmato dal Fuoco“ zu sehen, die sich den „im Feuer geformten“ Bronzeskulpturen der Renaissance und des Barocks unter den letzten Medici widmet, inklusive des einzigartig reichen Bestands der Uffizien an Vorzeichnungen für die Bronzen. Im letzten der vier großen Palastsäle sind daher Zeichnungen und ein Skizzenbuch ausgestellt, die den schrittweisen Transformationsprozess vom zweidimensionalen Medium auf Papier hin zur dreidimensionalen Figur im Raum nach 170 gesehenen Stücken noch einmal nachvollziehen lassen.

          Giambologna oder Meyer?

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Abgesehen von Bronzegüssen namhafter Künstler wie Foggini, Benzi oder Tacca, von denen vierzig noch nie gezeigt wurden und die selbst diejenigen Florentiner begeisterten, die oft die Ich-kann-keine-Kunst-mehr-sehen-Blindenbinde tragen, schlug eine spektakuläre Neuzuschreibung an Giambologna hohe Wellen.

          Schon vor einem Jahr ging ja eine Figur dieses bedeutendsten Bildhauers des ausgehenden sechzehnten Jahrhunderts um die Welt: Sein „Mars“ wurde von den Dresdener Sammlungen, zu denen er seit der Renaissance gehört hatte, kurz vor seinem Verkauf ins Ausland „gerettet“ - für mehrere Millionen. Der Mars misst knapp vierzig Zentimeter in der Höhe, die nun in Florenz gezeigte „Badende Venus“, die im ersten der abgedunkelten Säle steht, 112 Zentimeter.

          Allein diese beiden Zahlen, verbunden mit dem Wert des kleinen Mars, deuten die Fallhöhe an. Im Kern geht es darum: Ist die Venus „nur“ eine Kopie nach der Marmor-Venus Giambolognas aus dem Getty Museum in Los Angeles? Als Replik wäre sie fraglos etliche Millionen weniger wert. Da es stilistisch sowohl Giambologna wie auch eine gute Kopie sein kann und naturwissenschaftliche Untersuchungen bei Bronze kaum weiterhelfen, kommt der Inschrift auf der Basis der Säule, an der Venus lehnt, besondere Bedeutung zu. Dort steht zu lesen: „ME FECIT GERHARDT MEYER HOLMIAE ANNO 1597“, so dass die Liebesgöttin selbst „Gerhardt Meyer aus Stockholm machte mich 1597“ äußert. Dass nicht die Künstler, sondern die Gießer stolz das Machen eines technisch anspruchsvollen, weil fast lebensgroßen Gusses betonen, ist keine Seltenheit. Giambologna als Hofbildhauer der Medici-Großherzöge hat in verschiedenen Werkstätten gießen lassen. Ein Gärdt Meyer ist in Florenz 1598 urkundlich nachweisbar. Doch diese Auflösung wäre in der Dan-Brown-Welt der Zuschreibungen zu unspektakulär.

          Bald schon sandte daher die „New York Times“ mit Graham Bowley einen Reporter mit Afghanistan-Erfahrung nach Florenz, der prompt Verquickungen zwischen einem an der Venus Anteile haltenden Kunsthändler und dem Uffizien-Direktor witterte – und damit eine wertsteigernde Adelung der Figur durchs Ausstellen.

          Gerade auf dem Gebiet der Kleinbronzen ist aber die Kollaboration von kennerschaftlichen Händlern und Museen seit dem Amerikaner Bernard Berenson als einem der Begründer des internationalen Kunstmarkts üblich. Mehr noch: Bei der „5“ des 1597 in der Inschrift handele es sich Bowley zufolge in Wirklichkeit um eine durch Gußfehler ausgebrochene 6, bei Meyer mithin um einen Gießer der Ende des siebzehnten Jahrhunderts immer noch bestehenden Stockholmer Bronzegießerdynastie gleichen Namens. Dass der untere Bogen der 5 in einer kopfartigen Verdickung endet, die bewusst gesetzt wirkt und eher gegen einen Ausbruch spricht, da auch die Freifläche zwischen Ende des Bogens und Wiederaufnahme der Zahl 5 absolut glatt und ohne rauhe Bruchspuren ist, stört die Kritiker der Attribuierung wenig.

          Noch bis Mitte Januar kann sich jedenfalls im Palazzo Pitti jeder vom lebensnah olivfarbenen Teint der Medici-Bronzen begeistern lassen und das umstrittene Werk selbst in Augenschein nehmen.

          Plasmato dal Fuoco. Bronzeskulpturen in Florenz unter den letzten Medici. Im Palazzo Pitti, Florenz; bis zum 12. Januar 2020. Der opulente Katalog mit hervorragenden Bildern kostet 58 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Viel zu erzählen: Bolton, Pompeo und Trump im Oval Office im Februar 2019

          Ukraine-Affäre und Impeachment : Das fehlende Bindeglied

          Trumps Verteidiger fordern im Impeachment-Prozess Beweise. Da gelangen Teile von Boltons Buchmanuskript an die Öffentlichkeit und bringen Trump in Bedrängnis. Das Weiße Haus reagiert umgehend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.