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Max Ernst mit seiner vierten Frau Dorothea Tanning und seiner „Capricorn“-Skulptur, 1947 in Arizona Bild: Centre Pompidou-Metz/VG Bild-Kunst

Künstlerpaare : Ein Liebes-Leben voller Kunst

  • -Aktualisiert am

Das Centre Pompidou in Metz zeigt in der Schau „Moderne Paare“, dass die alten Geschlechterrollen keineswegs mit den künstlerischen Grenzen fielen.

          „Beim Aufwachen sprechen die Delaunays über Malerei.“ In ihren Memoiren gibt Sonia Delaunay der sanft ironischen Feststellung des Dichterfreundes Guillaume Apollinaire recht: „Er hätte dazusetzen können: Sie atmen und leben die Malerei, oder sogar: Sie malen auf ihren Laken. Das stimmte nämlich.“ Mehr als dreißig Jahre lang und bis zum frühen Tod Robert Delaunays im Jahr 1941 arbeitete das Paar in enger Symbiose und begründete den orphischen Kubismus. Die avantgardistische Kunsttheorie machte den Bildaufbau zu einem wirbelnden Spiel mit rhythmischen Farbharmonien und Simultankontrasten und trug von 1912 an wesentlich zur Abstraktion bei. Als Künstlerpaar gehören die Delaunays zu den Ausnahmen in dieser ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, in der sich die Moderne in ihren zahlreichen Strömungen entfaltet. Die beiden ergänzten sich auf harmonische und gleichberechtigte Weise. Robert war der Theoretiker und blieb bei der Malerei; Sonia Delaunay übertrug die gemeinsamen malerischen Recherchen auch auf Textilentwürfe, Bühnengestaltung und Design. Beide fanden schon in jungen Jahren gleichermaßen öffentliche Anerkennung.

          Jedes der Paare der Ausstellung „Couples modernes“ steht für eine künstlerisch fruchtbare und einzigartige, schöpferische Beziehung. Sie konnte ein Liebes-Leben lang dauern wie bei den Delaunays, bei dem Malerpaar Árpád Szenes und Maria Helena Vieira da Silva oder bei dem lesbischen Künstlerinnenpaar Claude Cahun und Marcel Moore, das dem Surrealismus nahestand. Oft prägte sie jedoch eher einen Lebensabschnitt und beflügelte euphorisch die schöpferische Tätigkeit wie bei Marcel Duchamp und der brasilianischen Bildhauerin Maria Martins oder bei Lee Miller und Man Ray.

          Die Ausstellung umfasst die Zeitspanne von 1900 bis 1950, von der Wiener Secession bis zum Anfang der Nachkriegsmoderne. Bei einem derart reichhaltigen Programm, das in vierzig Paarkonstellationen nahezu sämtliche Ismen der Moderne streift und (bis auf Film) alle Kunstformen einbezieht, ist die räumliche, visuelle und inhaltliche Inszenierung für die Lesbarkeit entscheidend. Mehr als tausend Ausstellungsstücke erzählen in entscheidenden Werken – mit Fotografien, diversen Zeitdokumenten und jeweils einem begleitenden Text versehen –, wie sich Liebe und Leben in die künstlerische Arbeit jedes Paares einschreibt und umgekehrt.

          Josef und Anni Albers am Black Mountain College von North Carolina, etwa 1935 Bilderstrecke

          Vier Themenbereiche gliedern den Parcours und setzen die Künstlerpaare in den gesellschaftspolitischen Raum der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, in der sich die Geschlechterrollen gerade durch den Einfluss künstlerischer Bewegungen stark verändern. So wie der normative Kunstbegriff des neunzehnten Jahrhunderts gesprengt wurde, wird gleichermaßen eine neue Freiheit im Zusammenleben erprobt. Der Bereich „Pulsschlag der Freiheit“ führt in die Jahre um und nach dem Ersten Weltkrieg, etwa mit der Geburt des Dadaismus im Zürcher „Cabaret Voltaire“, das 1916 von Hugo Ball und Emmy Hennings gegründet wurde. Die zu jener Zeit aufkommende Idee einer kollektiven Kunst und des Gesamtkunstwerks lässt sich auch im Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp nachvollziehen. Dafür wird ein Raum der „Aubette“ nachgestellt, eines Vergnügungszentrums in Straßburg, für dessen Innendesign Sophie Taeuber in den zwanziger Jahren beauftragt wurde und ihren Mann sowie Künstlerfreunde hinzuzog.

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