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„Modern Couples“ in London : Meine Frau macht übrigens auch Kunst

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„Und das ist Frau Z, sie macht übrigens ,auch‘ sehr hübsche Kunst.“ Bild: Carlotta Cardana

In London soll anhand von vierzig berühmten Paaren gezeigt werden, wie schön es ist, wenn Partner Künstler sind. Wie schwierig es ist, blendet die Ausstellung aus.

          Stellen wir uns folgende Szene vor: Wir sind auf einer Party, irgendwo in einer Großstadt in Europa. Es treten ein: ein bekannter Künstler und seine Frau. Der Gastgeber stellt den Mann vor, sagt: „Frau X, ich muss Ihnen unbedingt Herrn Y vorstellen! Sie wissen ja, der große . . .“ Frau X ist ganz begeistert und schwärmt von Herrn Ys letztem Werk. Und weil wir aber nunmal im Jahr 2018 sind und es sich heute einfach nicht mehr gehört, eine Frau vollkommen zu ignorieren, sagt der Gastgeber dann noch, so pro forma: „Und das ist Frau Z, seine Frau, sie macht übrigens ,auch‘ sehr hübsche Kunst.“ Frau X wendet sich dann kurz von Herrn Y ab, betrachtet Frau Z mit großem Desinteresse, sagt: „Ah ja, wie schön!“, und dreht sich wieder weg.

          So wie Frau X benimmt sich leider auch die Ausstellung „Modern Couples. Art, Intimacy and the Avant-garde“, die derzeit im Londoner Barbican Center zu sehen ist. Indem sie vierzig Künstlerpaare von der Jahrhundertwende bis 1950 vorstellt, unternimmt sie den wichtigen Versuch, die Licht- und Schattenrollen bei Künstlerpaaren der Moderne aufzuheben. Nur leider funktioniert das aus Mangel an tiefergehender Analyse und wirklich packenden Werkbeispielen nicht. Man möchte die Kunstgeschichtsschreibung „neu orientieren“: weg von der Idee des überpotenten Einzelgenies, hin zur intimen Zusammenarbeit. Hin zur Frage, welche Rolle die Liebesbeziehungen in der Entwicklung der Avantgarde gespielt haben. Inwieweit also auch die Frauen, die ja nunmal meist das Gegenüber des vermeintlichen Genies waren, dieses nicht nur durch ihre Schönheit und ihren Charme, nicht nur als Musen, sondern womöglich auch durch ihre eigene Kunst inspirierten. Oder, um es mit den Worten der Ausstellungsmacherinnen zu sagen: „,Modern Couples‘ schenkt den Frauen, die innerhalb dieser Künstlerduos oft zu Unrecht marginalisiert wurden, die gebührende Anerkennung.“

          Bringt Emilie her!

          Das klingt phantastisch, ja. Und in einigen Fällen ist es das auch. Beginnen wir also mit den positiven Beispielen, in denen die Frau nicht nur pro forma dabeisteht. Etwa dem von Gustav Klimt und Emilie Flöge: Als Klimt im Februar 1918 im Alter von fünfundfünfzig Jahren an einem Schlaganfall starb, da sollen seine letzten Worte, so will es die Legende, „Bringt Emilie her!“ gewesen sein. Heute erinnert man Emilie, die das Leben des bekanntlich nicht ganz treuen Gustav ab 1890 teilte, vor allem als Muse des Malers, als die Frau in einem seiner berühmtesten und schönsten Werke, „Der Kuss“. Hier in London entdeckt man, dass sie viel mehr war als das. Mit vielen Stoffen, Kleidern und Schmuck des mit ihren Schwestern Helena und Pauline geführten Haute-Couture-Salons „Schwestern Flöge“ zeigt der kleine Abschnitt über das Duo vor allem, wer sie war, was sie tat und eben nicht nur, inwieweit sie Klimt inspirierte (was eindeutig ist), sondern auch, wie er, der große Maler, ihr, der Modeschaffenden, in ihrer Arbeit zur Seite stand.

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