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Ausstellung in Dresden : Zweierlei Romantik

Berge, Eichen, Meeresufer: Eine Ausstellung im Albertinum Dresden zeigt die Werke der so gegensätzlichen Malerfreunde Caspar David Friedrich und Johan Christian Dahl. Doch ein wichtiges Gemälde fehlt.

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          Als Freundschaftsgabe Caspar David Friedrichs empfing der dänische Maler Johan Christian Dahl kurz nach seiner Ankunft in Dresden dessen berühmtes Gemälde „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“, bewahrte es bis zu Friedrichs Tod am 3. Mai 1840 und verkaufte es später an die Kunstsammlungen Dresden, wo gegenwärtig eine vom Nationalmuseum in Oslo übernommene Ausstellung mit 120 nachgelassenen Werken der beiden Hauptmeister norddeutscher Romantik gastiert. Vorgegriffen hatte dieser Gegenüberstellung im Sommer 2001 eine auf Papierarbeiten von Dahl und Friedrich konzentrierte Übersicht im Staatlichen Museum Schwerin. In der Galerie Neue Meister, dem Ort der jetzigen Begegnung, überrascht Dahls „Fluss im Plauenschen Grund“: das Gegengeschenk an Friedrich. Der Bildertausch bezeugt die Verbundenheit zweier Künstler, deren malerische Handschrift sich stark unterscheidet, zu schweigen von ganz unterschiedlichen Botschaften ihrer Bilder.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Seit Werner Hofmanns legendärer Hamburger Friedrich-Retrospektive von 1974 werden auch bescheidener dimensionierte Ausstellungen mit Werken des tiefreligiösen Metaphorikers von Besuchern überrannt. Von der ungebrochenen Faszination seiner numinos aufgeladenen Sujets dürfte auch die mit Werken des Antipoden Dahl komplettierte Übersicht profitieren, zumal Stil und Motivik beider Maler starke Ähnlichkeiten aufweisen. In Zeichnungen vorbereitet, erscheinen Ruinen, Hünengräber, knorrige Eichen, Meeresufer und Gebirgszüge, dazu pittoreske Wolkenformationen. Auch die Lebensläufe der Freunde weisen Parallelen auf. Wenngleich zu unterschiedlichen Zeiten, absolvierten beide die Kunstakademie in Kopenhagen, hofften vergeblich auf einen Professorenposten in Dresden und knüpften erfolgreich Kontakte zu europäischen Höfen. Dahl ließ sich die ersehnte Italien-Reise vom dänischen Kronprinzen Christian Frederik bezahlen, Friedrich gewann den preußischen König Friedrich Wilhelm III. als Finanzier des einzigartigen Bilderpaares „Mönch am Meer“ und „Abtei im Eichwald“, das in der Berliner Nationalgalerie hängt.

          Warum fehlt „Das Große Gehege“?

          Den Katalog zur Ausstellung der Dresdner Dioskuren schmückt eine Reproduktion des 1824 datierten „Sonnenuntergangs hinter der Hofkirche“. In der sächsischen Residenzstadt bewohnte Caspar David Friedrich, von 1823 an gemeinsam mit Johan Christian Dahl, ein 1945 zerstörtes Haus am Elbufer. Hier bot sich den maritim interessierten Malern der Blick auf den Schiffsverkehr, wie er sich fortsetzen ließ bei häufigen Reisen an die Ostsee. Als Höhepunkt der mit Nebenwerken aufgepolsterten Hommage glänzt mit den „Kreidefelsen auf Rügen“ eine bis 1920 Carl Blechen zugeschriebene, kostbare Leihgabe der Sammlung Oskar Reinhart in Winterthur. Lange bevor ihn Krankheiten und Depressionen befielen, besuchte Friedrich gemeinsam mit seiner jungen Frau Caroline und dem Bruder Christian im August 1818 das Naturwunder. Gemalt hat er die bizarren Felsen vor dem Hintergrund des im Wellenspiel gekräuselten, regenbogenfarbig schimmernden Meeres.

          Unverständlich bleibt der Verzicht auf Friedrichs 1832 vollendetes „Großes Gehege“, jene geheimnisvolle Vogelschau auf einen Seitenarm der Elbe, in dem ein Segelboot unter flammendem Abendhimmel auf Sand gelaufen zu sein scheint. Das ergreifende Spätwerk verblieb bei den Romantikern in der Schausammlung des Albertinums, dessen Direktor Karl Woermann es 1909 aus Privatbesitz erworben hatte. Er nannte es zutreffend „das stolzeste Bild Caspar David Friedrichs“ und erkannte darin „einen der großen Lichtgedanken des Meisters“.

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