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Basel zeigt Marlene Dumas : Die Frau mit blondiertem Haar malt

Aufregende Bilder vom Menschen zeigt Marlene Dumas in der Fondation Beyeler: Der Malerin gelingt es immer wieder, ihre Leinwände von innen her zum Leuchten zu bringen. Zu sehen sind sie in der Schau „The Image as Burden“.

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          Manchmal gedeihen im Schatten die aufregendsten Blüten. Gerade schoben sich in der Fondation Beyeler in Basel-Riehen die Menschen noch in Scharen durch die Paul-Gauguin-Ausstellung, da eröffnete noch während der letzten Tage dieses Blockbusters die Schau mit Werken von Marlene Dumas, ihre bisher umfassendste Retrospektive in Europa, wie es heißt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Sie ist ein Augenöffner erster Klasse. Denn die 1953 in der Nähe von Kapstadt auf einem Weingut in eine weiße Familie geborene Künstlerin ist eine der bedeutendsten Malerpersönlichkeiten unserer Zeit. Wem das nicht bewusst war bisher, dem wird diese Erkenntnis jetzt unhintergehbar zuteil. In der sorgfältigen, annähernd chronologischen Hängung der Gemälde und Aquarelle, die von der Kuratorin Theodora Vischer in enger Zusammenarbeit mit Dumas eingerichtet wurde, erscheint die ganze Bandbreite ihres Schaffens, von der Mitte der siebziger Jahre bis heute.

          Es ist ein Œuvre, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht, die menschliche Ganzfigur so gut wie das Gesicht in Nahaufnahme, beides nicht selten lebensgroß oder überlebensgroß, manchmal auf kleinem Format. Von beiden Daseinsformen aus dringt die bildnerische Energie, schon physisch erfahrbar, in den Betrachter ein. Nur als ein, gewissermaßen populäres, Beispiel dafür kann das vierzig mal dreißig Zentimeter kleine Bildnis „Amy - Blue“ gelten, das Dumas 2011 malte, nachdem die britische Popsängerin Amy Winehouse gestorben war, so lässt sich vermuten. Wie meistens in ihren Bildern geht sie dafür von einer fotografischen Vorlage aus. Doch ihre Malerei macht das Antlitz der jungen Frau zu einer Lebendmaske in Blautönen, zerbrechlich in seiner Transparenz wie zugleich im Zustand einer Transzendenz, die im Wortsinn opak bleibt.

          Die Bürde tragen

          Marlene Dumas siedelte 1976 nach ihrem Studium in Kapstadt in die Niederlande um, bis heute lebt sie in Amsterdam. Ihre frühesten Arbeiten waren konzeptionell, mit halbabstrakten Formationen und Graphismen, vielleicht denen eines Cy Twombly ähnlich. Was sich dort schon andeutet und bis heute ihr Schaffen auszeichnet, ist diese Überlagerung von Bedeutungsebenen während des Entstehungsprozesses, die sie in ihre Menschenbilder mit hinübernimmt. Schon früh legte sie ein Archiv mit privaten und öffentlichen Vorlagen und Fotografien an. In der Fondation Beyeler sind in Tischvitrinen Teile dieses Bildervorrats zusammen mit Notizen der Künstlerin ausgebreitet, die den Weg zu einigen der ausgestellten Werke weisen; dieses Material zu betrachten, ist erhellend. Was all die Dokumente nicht können, ist, das Geheimnis der malerischen Transformation zu lüften. Noch so viele auch scharfzüngige und pointierte Anmerkungen, noch so viele offengelegte Inspirationsquellen können nicht erklären, wie es Marlene Dumas gelingt, ihren Arbeiten, sei es auf Leinwand oder auf Papier, ihr Leuchten von innen abzugewinnen, als gäbe es eine Lichtquelle dahinter, ein Durchscheinen, das die Oberflächen ins Flimmern und Gleiten bringt.

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