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Künstlerkolonie Mathildenhöhe : Konzepte für die Stadt der Zukunft

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„Das Zeichen“, Festspiel zur Eröffnung der Künstlerkolonie-Ausstellung am 15. Mai 1901. Bild: Institut Mathildenhöhe, Städtische Kunstsammlung Darmstadt

Die Darmstädter Mathildenhöhe untersucht durchgestaltete Künstler- und Meisterhäuser der Moderne. Und stellt dabei die Frage nach dem Sozialen im Städtebau.

          Die Mathildenhöhe über Darmstadt ist ein Kleinod des Jugendstils. Die Künstlerkolonie, gegründet 1899, schuf bedeutende Neuerungen in Architektur, bildender Kunst und Design. Sie wurde zum vielfach rezipierten Vorbild für andere Künstlervereinigungen und prägte maßgeblich das Erscheinungsbild des 1907 gegründeten Deutschen Werkbunds. Die internationale Bedeutung wurde in späteren Jahren, besonders nach dem Krieg, von vielen Architekten reflektiert. So attestiert Frank Lloyd Wright dem Darmstädter Künstlerkollektiv eine besondere Inspirationskraft für seine eigenen architektonischen Entwürfe. „Als ich 1909 nach Europa kam, hat mich nur ein Architekt interessiert: Joseph Maria Olbrich aufgrund seiner Arbeiten in Darmstadt.“

          Mit der Darmstädter Bauausstellung im Jahr 1901 wurde die erste internationale Architekturmesse auf Dauer installiert, und die Darmstädter Kolonisten waren es, die sich als Erste in Deutschland die Frage nach der Gesamtheit von Architektur, Handwerk und Kunst stellten. „Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt. Alles andere ist nichts.“ Dieser Satz aus dem Munde von Joseph Maria Olbrich, dem Jugendstilkünstler, der auf Anweisung des Großherzogs von Hessen-Darmstadt Ernst Ludwig in die kleine hessische Residenzstadt kam und das Erscheinungsbild der zentralen Ausstellungsgebäude maßgeblich prägte, wurde zum Credo einer ganzen Künstlergruppe.

          Die Mathildenhöhe ist ein besonderer Ort der Jahrhundertwende. Elegant erhebt sich der Hochzeitsturm mit seiner gewellten Dachfassade über dem Ensemble von Ausstellungsgebäude und russisch-orthodoxer Kirche. Aufgrund dieser einzigartigen architektonischen Komposition strebt die Stadt Darmstadt eine Bewerbung für den Titel des Unesco-Weltkulturerbes an und reichte in diesem Jahr den Antrag für die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste ein.

          Darmstadt war stilprägend

          Das, verbunden mit dem allgegenwärtigen Bauhaus-Jubiläum, ist der Grund für die Ausstellung „Künstlerhaus, Meisterhaus, Meisterbau“, die das Ernst-Ludwig-Haus aus dem Jahr 1901 bespielt. Die Schau spannt den weiten Bogen, von der Entstehung der Darmstädter Künstlervereinigung, der ersten Bauausstellung, der Gründung des Deutschen Werkbundes über die Verzweigungen mit dem Bauhaus bis hin zur Nachkriegszeit, in der die städtebaulichen Konzepte der Darmstädter den Ideenhorizont für die Stadt der Zukunft lieferten.

          Eine der ersten Mietshäusergruppen in Darmstadt, entworfen von Albin Müller im Jahr 1914. Bilderstrecke

          Zentrale Figuren dieser Entwicklungslinie sind der 1883 in Karlsruhe geborene Otto Bartning und der 1868 in Hamburg geborene, frühe Star-Architekt Peter Behrens. Bartning besuchte mit achtzehn die erste Künstlerkolonie-Ausstellung, wurde selbst ab 1912 Mitglied des Deutschen Werkbunds und formulierte seit Ende 1918 gemeinsam mit Walter Gropius den maßgeblichen Bauhaus-Gedanken von der Aufhebung der Unterschiede zwischen Kunst und Handwerk. Bartning selbst wurde nie Mitglied des Bauhauses, sondern gründete 1922 die expressionistische Architektenvereinigung „Der Ring“. Bis zu seinem Tod im Jahr 1951 blieb er Darmstadt treu und lebte im Westflügel des heutigen Künstlerkolonie-Museums.

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