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Ausstellung „Kosmos Kubismus“ : Großer Aufbruch in kleinen Würfeln

Zusammen mit Picasso und Braques ist der spanische Maler Juan Gris ein Hauptvertreter des „synthetischen Kubismus“. Sein Stilleben „Nature morte à la plaque“ entstand 1917. Bild: Kunstmuseum Basel Martin P. Bühl

Vom Beginn 1907 an bis in die Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs: Mit einer klaren Chronologie inszeniert das Kunstmuseum in Basel das faszinierende Jahrzehnt des „Kosmos Kubismus“.

          Im Frühjahr 1907 beginnt Pablo Picasso in seinem Atelier im Bateau-Lavoir am Montmartre mit den Studien für „Les Demoiselles d’Avignon“. Es ist die Zeit, in der er sich für die archaische Plastik begeistert und für außereuropäische Skulpturen; zumal Afrikas Masken fesseln ihn. Diese Vorbilder gehen in sein Schaffen ein. Das geschieht nicht zuletzt aus einem gegen den Akademismus gerichteten Impuls heraus. Hinzu kommen die Gemälde Paul Cézannes, der im Jahr 1906 gestorben ist. Seine postume Ausstellung 1907 im Salon d’Automne in Paris hat enorme Wirkung auf die jungen Künstler, Initialzündung auf ihre Suche nach unverbrauchtem, nie gesehenem Ausdruck.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          „Der Primitivismus“ und „Der Einfluss Cézannes“ heißen die ersten zwei Räume der hervorragenden Ausstellung „Kosmos Kubismus. Von Picasso bis Léger“ im Kunstmuseum in Basel. Dort hängt Cézannes „Le Mont Sainte-Victoire vu des Lauves“ von 1904/06 in direkter Nachbarschaft zu George Braques „Arbres à L’Estaque“ aus dem Jahr 1908. Die Bäume sehen aus wie herangezoomt aus Cézannes zerklüfteter Landschaft. Weil sich bei dieser malerischen Tektonik der Eindruck von cubes, Würfeln einstellte, entstand die Bezeichnung „Kubismus“, eine künstlerische Weltsicht, gebaut aus Quadern.

          Ein Innehalten im neugefundenen Stil

          Die Schau in Basel wurde in Zusammenarbeit mit dem Pariser Centre Pompidou konzipiert, wo sie zuvor unter dem Titel „Cubisme“ lief, mit rund 330 Exponaten. Jetzt ist sie abgeschmolzen auf insgesamt 130 Werke. Gerade diese Verdichtung macht ihren Reiz und ihren Erkenntnisgewinn aus, darin ähnlich der vor kurzem erst abgelaufenen Ausstellung „Picasso. Blaue und Rosa Periode“ in der Fondation Beyeler im Basler Vorort Riehen. Im Kunstmuseum sind wichtige, darunter bekannte Bilder und Objekte präsentiert, in neun Räumen, die der klaren Linie einer Chronologie folgen, vom Beginn 1907 an bis in die Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. So wird die Entwicklung des Kubismus unmittelbar nachvollziehbar. Und anschaulich wird – nicht bloß als eine Behauptung –, wie grundstürzend er die bis dahin geltende Abbildfunktion der Kunst gegenüber der Wirklichkeit verabschiedet, hin zur Auflösung der sichtbaren Realität. Wie zugleich ihre Zergliederung in, jedenfalls annähernd, geometrische Formationen völlig neue Ansprüche an die geistige Beweglichkeit der Betrachter stellt. Bis in unsere Zeitgenossenschaft hinein wirkt dieses grade einmal ein Jahrzehnt währende künstlerische Beben vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, das schon damals bis in die vielbesuchten „Salons“, die jährlichen Pariser Kunstschauen, durchschlug.

          „Udnie (Junges amerikanisches Mädchen; Der Tanz)“ heißt das Werk von Francis Picabia und gibt damit einen Hinweis auf den Ursprung der aufgelösten Form. Bilderstrecke

          Die Basler Ausstellung zeigt die Etappen dieser komplexen, keineswegs homogenen Bewegung, in charakteristischen Werken der daran beteiligten Künstler. Das sind, neben natürlich Picasso und Braque, Juan Gris, André Derain oder Henri Laurens; Robert und Sonia Delaunay oder Albert Gleizes. Im achten Saal hat der „Salon-Kubismus“ seinen Auftritt, der sich den Aufbruch relativ früh anverwandelt in größerformatigen, gegenüber der asketischen Farbigkeit regelrecht bunt wirkenden Bildern. Heute weniger bekannte Künstler zählen dazu, Henry le Fauconnier oder Jean Metzinger und eben Fernand Léger, der aus dem Kubismus heraus seine Figuration einer mechanisierten Welt entwickeln wird. Am Ende der Chronologie steht „Der Erste Weltkrieg“, der tief einschneidet in die Welt der Künstler.

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