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Ausstelllung in Berlin : Sexueller Übergriff bei der Kirschenernte

Wirkt die Lepsius auf „Selbstbildnis mit Palette“ auch deshalb so souverän, weil sie das Gesicht von Caravaggios Berliner Amor trägt? Bild: SMB/Nationalgalerie/Jörg P. Anders

Die Malerinnen um 1900 sahen noch ganz andere Dinge als ihre männlichen Kollegen, und sie bildeten sie in ihren Gemälden ab: Eine Ausstellung erzählt die Geschichte der Emanzipation des weiblichen Blicks.

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          Im Juni 1911 schreibt die Malerin Paula Monjé aus Düsseldorf einen Brief an den Leiter der Berliner Nationalgalerie. Monjé will von Ludwig Justi wissen, warum ihr Gemälde „Deutsches Volksfest im 16. Jahrhundert“ noch immer nicht in der Schausammlung der Nationalgalerie hängt, so wie es Justis Vorgänger Hugo von Tschudi ihr für den Fall versprochen habe, dass „all die Schlachtenbilder“ der Sammlung an einen anderen Ort verlegt würden. Das sei, wie sie gelesen habe, inzwischen passiert, und nun wolle sie „wenigstens den moralischen Erfolg noch genießen“, ihr Werk in den Kanon der Gegenwartskunst aufgenommen zu sehen.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Paula Monjé ist zweiundsechzig Jahre alt, sie stirbt acht Jahre später. Justis Antwort ist nicht bekannt, aber sie muss ausweichend gewesen sein, denn das „Deutsche Volksfest“ kehrt auch 1911 nicht aus Osnabrück, wohin es ausgeliehen ist, nach Berlin zurück. Erst nach dem Ersten Weltkrieg kommt es wieder in die Sammlung – und wandert sofort ins Depot, aus dem es die Kuratoren der Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit“ zusammen mit weiteren sechzig Bildern und Skulpturen von Künstlerinnen aus dem Bestand der Nationalgalerie jetzt herausgeholt haben.

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