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Ausstellung : Kaiser, Kunst und Kuriosa

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Die Berliner Ausstellung „Schätze der Himmelssöhne“, die Kostbarkeiten aus der Kunstsammlung chinesischer Kaiser zeigt, will mehr als nur sinnlichen Genuß bieten. Sie setzt auf die Erfahrung des Spirituellen.

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          Das Glück will es, daß die Berliner Museen in diesen Wochen zeitgleich mit zwei exquisiten kulturhistorischen Ausstellungen glänzen können: der aus London entliehenen "Azteken"-Ausstellung und der Kunstsammlung der chinesischen Kaiser aus dem Palastmuseum in Taipeh. Früchte fremden Fleißes, ist doch der Plan, die "Schätze der Himmelssöhne" erstmals in Deutschland zu präsentieren, nicht in Berlin, sondern in der Bonner Bundeskunsthalle ersonnen und nach zehn Jahren endlich zu einem glücklichen Abschluß gebracht worden.

          Daß die Premiere in Berlin stattfindet und nicht in Bonn, ist den Usancen des heutigen Ausstellungswesens zuzuschreiben. Auch den Taiwanern ist das Prinzip des do ut des nicht unbekannt, nach dem umworbene Leihgeber ihrerseits im Gegenzug ein adäquates Kunst-Konvolut zu erhalten hoffen. Diskret, aber unbeugsam hielten sie an dem Wunsch nach einer "Gegenausstellung" fest und stürzten die zielstrebigen Bonner Ausstellungsmacher angesichts ihres "leeren" Hauses in jene Verlegenheit, von der die Berliner Museen nun unverhofft profitieren. Schon im Frühjahr des nächsten Jahres werden dafür Pretiosen aus den Berliner Sammlungen nach Taipeh reisen.

          Lächeln des Geistes

          Welcher Ausstellungsort wäre für die Kostbarkeiten aus der Kunstsammlung der chinesischen Kaiser angemessen, wenn nicht Schinkels Altes Museum am Lustgarten? Im "Kosmos der Weltkulturen" fügen sich die vierhundert Ausstellungstücke - Gemälde, Kalligraphien, kostbare Siegel, elegante Porzellane, prähistorische Ritualbronzen und Jadeschnitzereien - zu einem Kontinuum, in dem abermals jenes geheimnisvolle "Lächeln des Geistes" in Bann schlägt, das vor zwei Jahren in der Ausstellung der Buddha-Statuen aus dem Tempelfund von Qingzhou faszinierte (F.A.Z. vom 23. Oktober 2001).

          Ohnehin verhallt in der zurückhaltenden, auf inszenatorische Effekte verzichtenden Schau der Widerstreit politischer Interessen und Ansprüche, die zwischen Taipeh und Peking in der Schwebe sind. Fest steht, daß die kaiserliche Kunstsammlung eine lange Odyssee hinter sich hatte, als sie 1965 im neuerbauten Nationalen Palastmuseum in Taipeh ein Domizil fand, nachdem sie jahrhundertelang in den Kunstkammern der chinesischen Kaiser verborgen geblieben war. Erst im 15. Jahrhundert kamen die Schätze nach Peking, wo sie bis zur Vertreibung des letzten Kaisers Pu Yi im Jahr 1911 verblieben.

          Wirren von Flucht und Vertreibung

          Ihr weiteres Schicksal ähnelt dem vieler europäischer Kunstsammlungen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Chiang Kai-scheck die immense, rund siebenhunderttausend Objekte umfassende Sammlung vor den anrückenden Kommunisten vom Festland auf sein Inselreich Taiwan - früher Formosa - verbrachte, lief die Kollektion stets Gefahr, in den Wirren von Flucht und Vertreibung aufgerieben zu werden.

          Dem sammlungsgeschichtlichen Interesse der Kunstgeschichte folgend, begreift die Kuratorin Ursula Toyka-Fuong das Konvolut als etwas Geistiges. In der chronologischen Ordnung der Artefakte folgt sie dem Wechsel der Dynastien von der archaischen Shang-Dynastie (ca. 1600 bis ca. 1100 vor Chr.) bis zur Ch'ing-Dynastie (1644 bis 1911). So werden Stilepochen der chinesischen Kunst transparent, vom Neolithikum bis in die von abendländischen Einflüssen infizierte Neuzeit, zugleich aber auch formale Kontinuitäten, insbesondere in der Gefäßkeramik.

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