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Ausstellung in New York : Die Rettung des Dresdner Grünen

  • -Aktualisiert am

Ein Hodometer von Christoph Trechsler (Dresden, etwa 1584) in der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“ Bild: Reuters

Das Metropolitan in New York zeigt Schätze und prunkvolle Maschinen aus europäischen Kunstkammern. Darunter sind auch Diamanten, die den Juwelenräubern in Sachsen kürzlich entgingen.

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          Es bimmelt, klackert, surrt und brummt – doch nichts von alledem sieht man unterm fein gewirkten Gold und Silber des Gehäuses, das die komplizierte Mechanik in der Mitte einschließt. Sichtbar gemacht wird dergestalt die Zeit – doch bewegt man sich nur langsam genug um die reich verzierte astronomische Uhr, die derzeit im New Yorker Metropolitan Museum den Auftakt einer grandiosen neuen Ausstellung gibt, verliert man vor lauter Detail auch die leicht aus dem Blick. „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“ heißt die Schau – und die kastenförmige Uhr, mit der man gleich als erstes Exponat die titelgebende Dublette zwischen Wissenschaft und Wunder würdigt, stammt aus der Hand des Tübinger Mathematikprofessors Philipp Imser. Mit einem einzigen Mechanismus sollte sie dem Auftraggeber Ottheinrich einst nicht nur Uhrzeit, Woche, Tag und Jahr anzeigen. Mit der Meereshöhe, den Sternbildern, den drei Lebensalter und – in scheinbarer „Echtzeit“ – der Bewegung der Planeten bot der Uhrturm mit Globus auf dem Dach dem Pfälzer Kurfürst um 1550 auf einen Blick sein Reich im Kontext des gesamten Kosmos dar.

          Schmuckstücke wie diese hatten zwischen 1500 und 1750 an den Höfen europäischer Monarchen Konjunktur. Als konkreter Ausweis über den Reichtum eines Landes, seine Bodenschätze und die Aufgeklärtheit seines Herrschers dienten rare, ausgeklügelte und dabei meist äußerst prunkvolle Objekte zunächst der höfischen Selbstrepräsentation – vorzeigbar etwa beim Staatsbesuch oder bei exquisiten Banketten. Als ständiges Inventar der hofeigenen „Kunstkammern“ – den Kuriositätenkabinetten angehender Herrscher – waren sie unter den fortschrittlicheren Monarchen zugleich auch Teil der fürstlichen Unterhaltung und Erziehung.

          Mit dem vermeintlichen Horn des Einhorns

          Mit über 150 Exponaten schöpft das Met dabei reichlich aus den einstigen Schatzkästlein jener gut betuchten Regenten – die größtenteils mit Leihgaben gestemmte Schau versammelt Objekte aus dem gesamten europäischen Raum. Im Gegensatz zur territorialen Ballung ihrer einstigen Besitzer spannt die Provenienz der verarbeiteten Materialien dabei ein geradezu weltumfassendes Netz, wie der mit royalem Nippes reich bestückte dritten Raum der Schau zeigt. Aus Schneckenhäusern, Hörnern, Muscheln, Straußeneiern, Schalen exotischer Nüsse oder seltenen Meerestieren fertigten Kunsthandwerker wie die Jamnitzers – drei Generationen Nürnberger Hofschmiede im Dienste gleich mehrerer deutscher Kaiser – raffinierte Ess- und Trinkbehältnisse. Narwalzähne schmückten als vermeintliches Horn des Einhorns nicht selten Schatullen und Pokale, die Tecklenburger Greifenklaue – ein zum Füllhorn umfunktioniertes Büffelhorn – war seit dem sechzehnten Jahrhundert unveräußerliches Erbstück derer von Hessen-Kassel.

          Der vermeintlichen „Greifenklaue“ wurden dabei ebenso antitoxische Kräfte zugeschrieben wie den teils zerriebenen Gallen- und Magensteinen großer Säuger – wie Reliquien lagern sie in eigens für sie angefertigten Fassungen aus Silber und Emaille. Der berühmte Holzschnitt Albrecht Dürers wiederum – eine kongeniale Visualisierung eines Nashorns allein auf Grundlage eines Berichts an den Portugiesenkönig – hatte Anfang des siebzehnten Jahrhunderts einen unbekannten böhmischen Meister zu einer überaus farbenfrohen Interpretation angeregt. Die dreidimensionale Collage aus Muscheln, Perlen, Schildplatt und Korallen paart dabei beispielhaft die Ausgefallenheit des Gegenstand mit der des Materials.

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