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Hieronymus Bosch im Prado : Der die Welt verrätselt

Hieronymus Bosch, der im August vor 500 Jahren starb, ist bis heute einer der geheimnisvollsten Künstler. Nun richtet ihm der Prado in Madrid eine umwerfende Schau aus. Mehr Bosch war nie und wird absehbar nicht wieder sein.

          5 Min.

          Im August 1516 ist Hieronymus Bosch in ’s-Hertogenbosch im historischen Herzogtum Brabant gestorben, wo er um 1450 als Jheronimus van Aken auch geboren wurde. Seine Familie kam aus Aachen, wie sein ursprünglicher Name belegt, Maler waren auch seine Vorfahren. Erst vor zwei Monaten schloss eine großangelegte Ausstellung seiner Werke im Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch ihre Tore, die schon 420 000 Besucher angezogen hat (F.A.Z. vom 13. Februar). Weil in seiner Heimatstadt kein einziges Werk von ihm verblieben ist, strengte man sich dort besonders an und brachte bemerkenswerte siebzehn seiner Gemälde als Leihgaben zusammen, außerdem neunzehn Zeichnungen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Jetzt legt der Prado in Madrid nach, im fünfhundertsten Todesjahr des geheimnisvollen Altmeisters - als das Museum, das die meisten seiner Werke weltweit besitzt. Zu betrachten ist eine veritable Mega-Schau des enigmatischen Malers an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance. Der Prado kündigt sie schlicht als „El Bosco“ an. Es darf dabei von einem Überbietungsduell die Rede sein zwischen den beiden Ausstellungen. Zunächst schon von den Dimensionen her geht dieser Wettstreit zugunsten des Prados aus: So viele Werke des Hieronymus Bosch waren niemals zuvor an einem Ort vereinigt.

          „Bosch und ’s-Hertogenbosch“

          Denn mehr als fünfzig Exponate fährt der Prado auf, darunter sind 21 Gemälde von Boschs eigener Hand; nur insgesamt 27 sind, jedenfalls nach Einschätzung des Prados, gesichert. Hinzu kommen acht seiner Zeichnungen. Nur insgesamt rund vierzig eigenhändige Arbeiten, also Gemälde und Zeichnungen, von ihm sind überhaupt bekannt. Dabei geht es auch und nicht zuletzt um jüngste Abschreibungen durch das „Hieronymus Bosch Research and Conservation Project“, das 2010 gegründet wurde zur umfassenden Klärung seines OEuvres, mit allen verfügbaren Techniken. Von diesen Aberkennungen sind drei der sechs Werke betroffen, die der Prado beherbergt. Das muss das stolze Haus schmerzen. Deshalb lässt es keinen Zweifel daran, dass es sich als das eigentliche Hieronymus-Bosch-Museum versteht, wie sonst auch für die spanischen Meister Velázquez und Goya. Überhaupt, so der Prado-Direktor Miguel Zugaza, sei Bosch in gewisser Weise ein spanischer Maler; denn es war der spanische König Philipp II. (1527 bis 1598), der die Werke des Niederländers begeistert sammelte.

          „El Bosco“ ist in Spaniens Nationalmuseum in einem perfekten Ausstellungsparcours inszeniert, zum Niederknien im Panoptikum vor der Wucht dieses einzigartigen Genies, das, selbst so zum Greifen nah gerückt, sternenweit fern bleibt. Die erste von sieben Sektionen, „Bosch und ’s-Hertogenbosch“, führt den Betrachter in die Umgebung des Künstlers ein, die folgenden sechs Sektionen widmen sich seinen Themen: der Kindheit und Lehre Christi, den Heiligen, dem Paradies und der Hölle, dem „Garten der Lüste“, der Welt und den Menschen, schließlich der Passion Christi. Das strahlende Zentrum bildet das Triptychon des „Gartens der Lüste“, Boschs berühmteste Schöpfung, die dem Prado gehört und nicht nach ’s-Hertogenbosch ausgeliehen war. Das mächtige Wunderwerk steht - wie die anderen wichtigen Triptychen, unter ihnen natürlich der „Heuwagen“ (aus dem Prado) - frei im Raum, so dass auch die ehemaligen Außenseiten des Altars sichtbar sind. Auf ihnen ist grisaillehaft die Erschaffung der Welt in einer Kugelsphäre dargestellt, samt thronendem Schöpfergott.

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