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Ausstellung : Die Lehre der Baumstümpfe

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Gut gelaunt und entspannt, aber nicht ohne skeptischen Blick: Max Beckmanns Aquarelle und Pastelle werden durch die Jahre immer körperschwerer. Die Schirn eröffnet ein kleines Frankfurter Beckmann-Festival.

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          Beckmann geht baden. Beckmann läuft mit Quappi Ski. Beckmann spaziert durch Frankfurt und Paris. Beckmann döst mit seinem Hund am Rande des Tennisplatzes; er richtet sich etwas auf, scherzt, beginnt zu rauchen. Dann sieht man ihn auf dem Platz beim Aufschlag. Er muß ihn unbedingt verbessern. Glücklicherweise gibt es in der Bild-Kunst keinen ersten Satz wie in der Literatur, der wie der Aufschlag beim Tennis das Spiel eröffnet. Zumindest nicht für den Betrachter. Der kennt das Bild nur als Ergebnis, und er kann nicht wissen, wo der Künstler die erste Linie, den ersten Pinselhieb gesetzt hat. Und doch gibt es auch in der bildenden Kunst spontan einsetzbare Techniken, die es - mehr als die Ölmalerei - erlauben, die Frische des ersten Zugriffs zu erhalten.

          Kurze private Filmszenen bilden in der Frankfurter Schirn einen idealen Prolog zu der Ausstellung der Aquarelle und Pastelle Max Beckmanns (1884 bis 1950), eines überaus lohnenden, bislang überraschend wenig beachteten Seitenpfads seines malerischen OEuvres. Die Filmszenen zeigen den oft düsteren Mythologen gut gelaunt und entspannt: Max Beckmann, der Künstler und Bürger, selbstbewußt, weltoffen und gern auch mondän. Erkundet haben die Aquarelle und Pastelle Mayen Beckmann, die Enkelin des Künstlers, und Siegfried Gohr. Nun können sie eine Ausstellung präsentieren, die - schon aufgrund der weitverstreuten Leihgaben - mit ihren knapp hundert erhaltenen Blättern getrost einzigartig genannt werden darf. Nach zehnjährigen Recherchen können sie auch das entsprechende Werkverzeichnis vorlegen. Um das kleine Beckmann-Festival zu komplettieren, das in den kommenden Wochen in Frankfurt stattfindet, zeigt das Städel die frühe Druckgraphik - und spannt das Museum für Moderne Kunst demnächst Beckmanns 1941 entstandenen lithographischen Zyklus zur „Apokalypse“ mit einer neuen Arbeit des Fotokünstlers Thomas Demand zusammen.

          Spontaner auf Papier

          Es springt sofort ins Auge: als „Maler auf Papier“ erscheint Beckmann spontaner, freier, weicher, entspannter als in seinen für einen öffentlichen Auftritt konzipierten Gemälden, in denen er die Figuren meist schroff und bedrohlich in einer übervollen, rätselhaften Szene zusammenspannt. Auch wirken die Aquarelle und Pastelle weniger appellhaft als die Druckgraphik. Nur die aquarellierten Tuschzeichnungen auf Bütten, die nach dem Faust-Projekt in den Jahren nach 1945 entstehen, geben sich weniger geschmeidig, scheinen aber gerade deshalb weniger typisch. Das Etikett „Beckmann privat“ indes würde die Papier-Arbeiten zu sehr ins Harmlose verkleinern, findet sich in ihnen doch so mancher Vorgriff. Beckmanns Aquarelle sind keine Ölmalerei im kleinen Format. Es sind Möglichkeiten der Selbstverständigung, Parallelaktionen, um einen neuen Figurenstil zu erproben und das Verhältnis von Figur und Raum, Gesten und Dingen zu erproben und zu klären. Siegfried Gohr spricht von „Meta-Arbeiten zum Prozeß des Schöpferischen“.

          Es beginnt tastend, konventionell, mal impressionistisch, mal neobarock oder jugendstilhaft. Das früheste Blatt, der 1898 entstandene „Diamantberg“, bezieht sich auf das Grimmsche „Märchen vom Hirtenbüblein“ und zeigt einen schwarzen Vogel, der eine Burg umkreist, die auf einem hohen weißen Berg thront. Im „Selbstbildnis mit Seifenblasen“ (um 1900) läßt Beckmann, auf einem Stuhl in einer Landschaft sitzend und das Seifenpfeifchen in der Linken haltend, Blasen in den Himmel steigen. In den zwanziger Jahren lassen dann Stilleben, Clowns und Urlaubsszenen die Farben leuchten. Im Vergleich mit den Gemälden sind sie weniger durch den Zusatz von Weiß, Grau oder Schwarz gehemmt.

          Umschlag ins Symbolische

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