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Ausstellung : Die köstlichste Erfindung

  • -Aktualisiert am

Im Bett mit Beckham und Monroe, auf dem Sofa mit Jimmie und George: Nur im Schlaf sind wir ganz bei uns.

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          Alle tun es. Vögel tun es. Männer und Frauen tun es, Kinder tun es. Insekten tun es. Sogar Algen tun es. Katzen tun es sogar fünfzehn Stunden pro Tag. Menschen hingegen schlafen nur ein Drittel ihres Lebens - gerade einmal acht Stunden pro Nacht, was den rumänischen Denker Emile Cioran zu der melancholischen Bemerkung veranlaßte, er müsse eigentlich doppelt soviel schlafen, um die durchs Wachsein verlorene Zeit einigermaßen nachzuholen.

          Warum wir schlafen, wissen wir nicht. Aber ohne Schlaf würden wir schnell sterben, weshalb mit Schlafentzug Menschen gequält und gefoltert werden können. Der Alltag ist davon oft gar nicht so weit entfernt. Wer es im Leben schlecht getroffen hat, wen die Verhältnisse überfordern, dem fehlt es meist an Schlaf. Junge Eltern wissen ein Lied davon zu singen, Berufspendler, Schichtarbeiter, Politiker. Bei den Managern der Computerbranche gilt es geradezu als schick, das eigene Schlafpensum immer radikaler herabzusetzen. Sehen so glückliche Karrieristen aus?

          Eiszeitlicher Jäger nach der Hatz

          Weil wir den langen, naiven Schlaf der Tiere und der Kinder instinktiv mit einer Phase unschuldigen Glücks gleichsetzen, hat der Schlaf Künstler und Denker aller Zeiten fasziniert. Ausgerechnet den Fußballer David Beckham, über dessen Bettgewohnheiten die Boulevardpresse spekuliert, hat jetzt der Videokünstler Sam Taylor-Wood in die Kissen verfrachtet und gefilmt. Beim Schlafen notabene.

          Da liegt er dann 107 Minuten lang, der Begehrte, nackt bis auf allerhand Tattoos und Wickelbänder, wie ein eiszeitlicher Jäger nach der Hatz. Das Videobild des rastenden Helden wurde dieser Tage in der britischen National Portrait Gallery der Öffentlichkeit zur Anbetung freigegeben. Denn Beckham - bei der Siesta nach dem Morgentraining - liegt in einem Madrider Hotelzimmer auf Augenhöhe mit seinen wollüstigen Betrachterinnen. So als ruhe er direkt neben ihnen. Einer Kommentatorin des "Guardian" gab diese Perspektive die Worte ein: "Die Kurven seiner Muskulatur und der Honigton seiner Haut sind sinnlich aufgeladen."

          Schlaraffenland der Saumägen und Pfälzer Weine

          Dabei ist es gerade die unsinnliche Unschuld des Schlafenden, der ihn unserer Gier entrückt. Wer schläft, ist frei und allein. Im Schlaf werden sogar Usama Bin Ladin und Saddam Hussein und alle anderen, die die Welt mit Gewalt verändern wollen, zu trägen Lämmchen. Es tut ganz gut, sich die vielen Mächtigen der Welt in ihrem dunklen Drittel vorzustellen, wenn sie sich ausziehen, sich in ihre Pyjamas und Daunendecken wickeln und einfach nur absacken. Die Welt, die sie dann hinter sich lassen, ist friedlicher als das wache Chaos der Abendnachrichten, die uns oft genug den Schlaf rauben.

          Weil die Mächtigen um ihren Nimbus der permanenten Aktivität fürchten, lassen sie keine Fotografen in ihre Schlafzimmer. Und doch hat ein Schnappschuß, der den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl selig eingenickt 1994 beim CDU-Parteitag zeigt, etwas Rührendes: Da ist einer aus der Welt der Notwendigkeit in die der Möglichkeit geflohen, weg von den Jubel- und Nörgeleien, von den Akten und Zwängen in die innere Freiheit. Wovon mag er träumen? Vom Schlaraffenland der Saumägen und Pfälzer Weine? Von der ewigen Kanzlerschaft? Sehr bald kommt das Erwachen.

          "Süßer Schlaf, du kommst wie reines Glück!"

          Auch George W. Bush hat sich einmal beim Nickerchen auf der Couch erwischen lassen, während seine Frau ihn diskret stützt und über seine Ruhe wacht. Da war er noch nicht im Amt, erwartete am Abend des 7. November 2000 die Entscheidung der Wähler. Inzwischen weiß man: Bush geht früh zu Bett, gegen zehn Uhr jeden Abend. Schon um am nächsten Morgen zur frühen Bibelstunde - ebenfalls mit Laura - ausgeschlafen zu sein.

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