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Ausstellung im Beyeler : Zwei Farben Picasso

So war seine Kunst noch nie zuvor zu sehen: Die Fondation Beyeler in Riehen zeigt die Blaue und die Rosa Periode des Jahrhundertkünstlers in einmaliger Verdichtung.

          4 Min.

          Der junge Mann aus Spanien kommt zum ersten Mal zur Weltausstellung 1900 nach Paris. Im Jahr darauf kehrt er wieder, jetzt neunzehn Jahre alt, Ambroise Vollard, der Galerist der Avantgarde, hat ihm eine Ausstellung zugesagt. Für sie saugt Pablo Ruiz Picasso seine malenden Zeitgenossen auf wie ein Schwamm: Toulouse-Lautrec, Degas oder Manet, Gauguin und Van Gogh.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Er nimmt sich von ihnen ungeniert, was ihm passt, und alles ist da noch sehr bunt. Genau an dem Punkt beginnt die Ausstellung „Der junge Picasso. Blaue und Rosa Periode“ in der Fondation Beyeler in Riehen. Und es ist nur ein Aspekt der wundervoll inszenierten Schau, dass sie mit diesem Vorlauf im Jahr 1901 einsetzt. Weil nur so zu ermessen ist, was die kurz danach folgende Beschränkung, auf eben zwei Farbtöne, bedeutet.

          Sich selbst setzt der junge Maler in Szene als „Yo, Picasso“, das schreibt er oben links auf sein Selbstporträt (das einst dem Wiener Fin-de-siècle-Poeten Hugo von Hofmannsthal gehörte). Breit macht er sich da, im Mai/Juni 1901, mit knallig krachenden Farbhieben – Ich! Die initiale Selbstfeier – von nun an „Picasso“, sonst nichts! – ist in Riehen zu sehen. Daneben aus dieser Phase etwa die Bilder von zwei „Absinthtrinkerinnen“, kurz hintereinander entstanden; die eine mit Anklängen an Gauguin, die im Stil völlig andere (früher in der Sammlung von George Gershwin) wie eine Hommage an Toulouse-Lautrec.

          Die Veränderung setzt ein

          Dieses Furioso klingt ab, als Picasso beginnt, den Tod seines Freundes Carles Casagemas zu verarbeiten, der sich im Februar 1901 das Leben genommen hatte aus unglücklicher Liebe zu einer der jungen Frauen, die Modell für die Künstler waren. Picasso malt in Erinnerung an Casagemas die ersten Bilder in blau-dunkler Verschattung; jetzt ist er nah bei einem Alten Meister wie El Greco. Und im Winter 1901, nur ein halbes Jahr nach „Yo“, entwirft er sich selbst – schon wieder – neu, in dem bekannten „Autoportrait“, das er lebenslang bei sich behält.

          Er wird von nun an ein anderer sein – die „Blaue Periode“ hat begonnen: schwarze Augen im fahl asketischen Antlitz, das auf einem massigen schwarzen Mantel ruht. Die Melancholie gerinnt in der blauen Monochromie des Hintergrunds, das non finito, bis auf das Gesicht, deutet vielleicht schon auf eine kommende Auflösung aller körperlichen Formen.

          Von hier aus führt die atemraubende Ausstellung in rund 75 Werken, darunter wenige rare Skulpturen, durch die Menschendarstellung des frühen Picasso, von 1901 bis 1906. Konzipiert wurde sie gemeinsam mit dem Musée Picasso und dem Musée d’Orsay in Paris, wo sie im vorigen Jahr zu sehen war, dort unterfüttert mit zahlreichen Materialien. Für Riehen sind einige Gemälde ausgetauscht. Vor allem aber hat der Kurator Raphaël Bouvier der Schau eine völlig andere Gestalt gegeben; sie lässt sich eine Quintessenz nennen: In den weiten Räumen des Renzo-Piano-Baus wird ein exquisites ästhetisches Erlebnis möglich, von zugleich fast unerwarteter Klarheit. In einem White Cube von 1600 Quadratmeter Fläche hat jedes einzelne Bild Luft zum freien Atmen und mit ihm die Betrachter davor.

          Rehabilitation des frühen Picasso

          So wird der Prozess des Schaffens eindringlich sichtbar. Wie das Blaue sich verfestigt in den Menschen, die an den Rändern nisten: Da ist die in sich gekehrt „Sitzende mit Schal“ im Gefängnis Saint-Lazare, in dem Prostituierte untergebracht waren. Da ist „Das Mahl des Blinden“ von 1903; die Verformung, die Picasso fortan weitertreiben wird, scheint den Oberkörper schon ergriffen zu haben. Das berühmte, beinah zwei Meter hohe Großformat „La vie“ wurde nach Riehen ausgeliehen (vom Cleveland Museum of Art in Ohio), komplexe Allegorie auf den Zirkel des Lebens, ein Herzstück der Schau.

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