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Fondation Louis Vuitton : Schubumkehr in der Kunstwelt

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Für eine Prestige-Ausstellung lässt die Fondation Vuitton aus den großen Museen der Welt alles nach Paris verfrachten, was als „Meisterwerk“ gilt – und zeigt damit, wie sich die Machtverhältnisse im Museumsbetrieb ändern.

          Es gab einmal eine Zeit, und die ist noch gar nicht so lange her, da rief das Museum X bei Sammler Y an und bat ihn um ein Kunstwerk, das in Ausstellung Z gezeigt werden sollte. Der Sammler sagte zu, ließ die Arbeit, ihrem Wert entsprechend, hoch versichern, und schon konnten die Museumsbesucher ein Kunstwerk entdecken, das sonst bei dem Herrn zu Hause oder in einem Depot hängt.

          Heute laufen die Dinge anders. Heute begnügt sich ein Sammler wie Bernard Arnault, der Milliardär und Kopf des Luxusgüterunternehmens Louis Vuitton, Moët Hennessy, nicht mehr damit, Kunst zu sammeln und hin und wieder an eine öffentliche Institution zu verleihen. Er möchte nicht mehr darauf warten, dass ein Kurator aus dem Museum of Modern Art oder einer anderen bedeutenden Einrichtung anruft und um seinen Mauricio Cattelan bittet. Also engagiert er einen weltberühmten Architekten – in diesem Fall Frank Gehry – und lässt sich am Rande des Bois de Boulogne in Paris ein großes Privatmuseum bauen, die im vergangenen Herbst eröffnete Fondation Louis Vuitton, engagiert als künstlerische Leiterin die ehemalige Chefin des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Suzanne Pagé: Gemeinsam animierten sie die Künstler der Sammlung dazu, für den Ort konzipierte Ausstellungen zu kreieren, so etwa im vergangenen Winter, als Olafur Eliasson mit „Contact“ eine leuchtende Großinstallation präsentierte, die einem dunklen Kochtopf voller Menschen glich und zu den aufwendigeren Werken der Gegenwartskunst gerechnet werden muss.

          Finanzielle Probleme, unter denen auch die großen europäischen Museen leiden, kennt die Fondation nicht, was sie mit der neuesten Ausstellung unter Beweis stellt. Mit ihr wird die zweite strategische Phase der neuen Privatmuseumskultur eingeleitet. Hatten sich viele Privatsammler bisher auf Gegenwartskunst beschränkt, geht Vuitton jetzt historisch und museumspolitisch weiter.

          Deshalb dreht man in Paris den Fluss des Werkverleihs jetzt einfach um: Für die Ausstellung „Les Clefs d’une passion“, die, wie der Name vermuten lässt, den Schlüssel zu Arnaults Sammelleidenschaft geben soll, bat die private Institution die großen Museen dieser Welt, etwa das Museum of Modern Art in New York, das Puschkin-Museum in Moskau oder das Centre Pompidou in Paris, um ihre Meisterwerke. Man darf vermuten, dass es nicht nur Suzanne Pagés sehr guten Kontakten zu verdanken ist, dass dies sehr gut funktioniert hat; die Fondation verfügt auch über das nötige Geld, um horrende Versicherungssummen zu zahlen und so eine Ausstellung zusammenzutragen, die sich kein öffentliches Museum der Welt leisten könnte -– was natürlich auch eine Machtdemonstration ist.

          Höhepunkt einer idealen Geschichte

          Statt sich mit der Kunst von heute zu beschäftigen (wie eigentlich bei einem Museum, das offiziell eine zeitgenössische Sammlung zeigt, anzunehmen wäre), versucht sich „Les Clefs d’une passion“ also an einer Rückschau in die klassische Moderne. Pagés Wunsch war es, darzulegen, dass die Themen von damals auch die Themen von heute seien und man den geschichtlichen Rahmen brauche, um zu verstehen, was in der Gegenwart produziert wird – was am Ende darauf hinausläuft, dass die Louis-Vuitton-Sammlung als aktueller End- und Höhepunkt einer idealen Geschichte der Moderne dasteht.

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