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„Black & White“ in Düsseldorf : Elefantengrau ist auch eine schöne Farbe

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Mitgerissen von der Vielfalt an prononcierten Farbspielen bis hin zum äußersten Farbverzicht befinden sich die Besucher der Ausstellung auf Entdeckungsreise dieser optischen Überraschungen. Vereinzelt nur verwendete Rembrandt in seiner Beweinung Christi, ebenfalls aus der Londoner National Gallery, Rottöne, um in der von mächtigen Wolken verhangenen Komposition in erdig schweren Tönen Akzente zu setzen, die allein von dem auf die Beweinungsgruppe gerichteten Schlaglicht übertroffen werden.

Wenn Rembrandt hiermit ein unbekanntes oder nicht realisiertes Gemälde vorbereitete, handelt es sich bei Jean-Auguste-Dominique Ingres’ berühmtem Frauenakt „Odaliske in Grisaille“ aus dem New Yorker Metropolitan Museum um eine allein in Grautönen gehaltene Wiederholung. Mit weitaus weniger Details als die buntfarbigen Versionen ausgestattet, stellt es in gesteigerter Abstraktion und spezifischer Dekontextualisierung ein persönliches Bild dar, das der Akademiekünstler bis zu seinem Lebensende in seinem Atelier behielt.

Eine dicht verwobene emotionale Ebene

Die elegante Inszenierung tritt dem Betrachter noch stilisierter entgegen und entzieht sich, sobald unser Blick auf den der Dargestellten trifft. Entzug der Reize oder reizvoller Entzug könnte man dieses wechselseitige Spiel nennen, um zumindest eine Dimension der hier herausgeforderten optischen Gesetzmäßigkeiten anzusprechen. Pablo Picassos „Nu couché“ aus einer Privatsammlung vermag hier, in Fragen des Bildaufbaus und der Wahrnehmung, zu anregenden Vergleichen zu führen.

Die Ausstellung wäre dem anspruchsvollen Thema nicht gerecht geworden, wenn der Farbverzicht nicht auch in seiner widersprüchlich anmutenden Ambivalenz zwischen Objektivierung und Potential für Stimmungswelten untersucht würde. Unverwandt konnotierte Gerhard Richter seine grauen Bilder mit einer ernsten Schönheit, deren Impuls gar Ausweglosigkeit und Depression gaben. Diese emotionale Ebene ist dicht verwoben mit einem „chromatischen Schweigen“ der nach Richter „idealen“ Farbe Grau, die indes in ihrem Verlangen nach Buntfarbigkeit alle Formen und Sinnbilder der Verlebendigung anregt. Die Kuratorinnen Lelia Packer und Jennifer Sliwka schließen hier den Bezug zum liturgischen Farbverzicht an, wofür das gezeigte Passionsbild „Christus am Ölberg“ auf mit tiefblauem Indigo eingefärbten Leinentüchern des Diözesanmuseums in Genua ein schlagendes Beispiel gibt.

Am Schluss wartet die Ausstellung mit zwei kontrastierenden Erfahrungswelten auf. Während die Besucher in den gleichmäßig elefantengrauen „Collector’s Room“ von Hans Op de Beeck Farbe hineinbringen und so in der gedämpften Kulisse zum bunten Ausstellungsstück werden, mutieren sie in Ólafur Elíassons mit Natriumdampflicht ausgestrahltem „Room for one Colour“ zu einfarbigen Figuren, so der Direktor Felix Krämer. Spätestens hier erfährt man die zurückgenommene Farbigkeit am eigenen Leib und fühlt sich in Op de Beecks Inszenierung in eine meditative Stimmung versetzt, die durchaus mit Blick auf alltägliche Überschüsse einer Wegwerfgesellschaft wie Flaschen und Papplichter melancholische Züge annimmt. In Elíassons Lichtinstallation hingegen könnte man sich angesichts der Beleuchtungsintensität in Grellgelb geradezu attackiert fühlen, wenn sie nicht durch die Eliminierung anderer Farben faszinierende Effekte auslösen und damit eine weitere Steigerung des Sehvermögens anregen würde. In diesem Sinn steht Elíasson zufolge der monochrome Raum der „Multidimensionalität“ offen und bietet sie uns gar an.

So wird ein Thema, das in jüngerer Zeit von der kunsthistorischen Forschung intensiv erforscht wurde, den Museumsbesuchern auf ebenso anschauliche wie experimentelle Weise nahegebracht. Resultat daraus ist nicht etwa, dass sich nach dem Ausstellungsbesuch die Welt auf Grautöne reduzieren würde. Vielmehr stellt sich eine frische Sicht auf die Details und die Farben der Umgebung ein, ganz so wie beim Anblick der ersten Krokusse auf einer schneebedeckten Wiese. Diese sensibilisierte Wahrnehmung möchte man gern länger aufrechterhalten und neue Blicke in ungeahnte Richtungen werfen.

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