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Ausstellung „Artbrands“ in Freiburg : Die Kunst soll es genießbar machen

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Sie tragen ihren Namen mal prahlerisch und pathetisch, mal zaghaft, mal rein zufällig mit sich herum: Eine Ausstellung in Freiburg versammelt Produkte, die sich - zufällig oder kalkuliert - mit den Namen großer Künstler schmücken.

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          Auf den surrealistischen Bildern Réné Magrittes kommt es häufig zu eigenartigen Vertauschungen. Man erblickt in aller Deutlichkeit eine braune Damenhandtasche, aber die Beschriftung im Bild sagt beharrlich „Der Himmel“. Das einzelne grüne Blatt daneben heißt „Der Tisch“, und ein deutlich erkennbarer Hammer trägt die Bezeichnung „Die Wüste“.

          Worte und Dinge stimmen nicht mehr überein und flottieren heimatlos durch unsere Vorstellungswelt. Eine ähnliche Erfahrung lässt sich zurzeit angesichts einer Sammlung von Objekten machen, die der Künstler und Kunstwissenschaftler Michael Klant im Freiburger Museum für Neue Kunst ausstellt. Klant sammelt weltweit Produkte der Konsumkultur, deren Name - absichtlich oder nicht - mit den Eigennamen bekannter Künstler zusammenfällt. So ist in Freiburg der tschechische Motorroller „Manet“ zu sehen, das sperrige Winterdienstgefährt „Rauch“, „Rembrandt“-Zahnpasta aus Kalifornien, das Hundekraftfutter „Beuys“ oder „Merz Special Dragees“.

          Ein durchaus vergnügliches Spiel, aber es führt nicht weit

          Der Schutzpatron dieser Sammlung ist freilich nicht Réné Magritte, sondern einmal mehr Marcel Duchamp, der industriell verfertigte Objekte in den Raum des Museums versetzte. Seit den Tagen Duchamps hat man in Kunstmuseen jedoch so viele unterschiedliche Objekte gesehen - von Konservendosen über Exkremente bis hin zu Schweinehälften -, dass einen in dieser Hinsicht eigentlich nichts mehr überraschen kann. Tatsächlich wirken die auf Sockeln präsentierten Markenartikel im Museum nicht sonderlich deplaziert oder subversiv. Allerdings geht es in der Ausstellung wohl auch weniger um die materielle Präsenz dieser Objekte als um das Irrlichternde ihres Namens, den sie mal prahlerisch und pathetisch, mal zaghaft, mal rein zufällig mit sich herumtragen. Es geht um die Aura des Künstlernamens, sobald dieser sich von seinem Träger löst, um an ungeahnter Stelle in der Warenzirkulation wiederaufzutauchen. Aus dem Genie „Leonardo“ wird dann ein praktisches Klebeband, „Richter“ ist der Name für zerkleinerte Heringsfilets in Pfeffersauce („Feuer-Röllchen“).

          Das ist ein durchaus vergnügliches Spiel, aber ganz gleich, in welcher Richtung man es weiterdenkt - es führt nicht sehr weit. Interessant wäre es gewesen, die Spur weiterzuverfolgen, die eines der gezeigten Ensembles kurz aufscheinen lässt. Am Beginn seiner westdeutschen Karriere legte der in Dessau geborene Maler Wolf Knoebel seinen Vornamen ab, um sich stattdessen nach dem in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen beliebten Putzmittel „Imi“ zu benennen. In Freiburg sind beide Produkte nebeneinander zu sehen: das Waschmittel „Imi“ und das Kunstwerk „Schauinsland“ von Imi Knoebel. Mit der Frage, welche institutionellen Prozesse stattgefunden haben müssen, damit die beiden Objekte auf der Wand eines Kunstmuseums zusammenkommen konnten, hätte die Ausstellung ansetzen können.

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