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Ausstellung zum Thema Wohnen : Die Mischung macht’s

Fenster mit Aussicht: Blick aus der Ausstellung auf das Clouth-Areal. Bild: Timo Klippstein / M:AI

Wie gelingt ein Wohnungsbau, von dem alle etwas haben? Eine Kölner Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Wohnungsbaus möchte eine Diskussion darüber anregen.

          Die Flüchtlinge kommen gar nicht vor; Container, Leicht-, Modul- und Plattenbau auch nicht. Dabei geht es auch um sie. Wo sollen sie wohnen, wie können sie so untergebracht werden, dass sie hier ankommen, sich einleben, zu Hause fühlen, integriert werden? Dass es vor allem in den Großstädten an bezahlbarem Wohnraum mangelt, war schon vorher ein Problem. Die Flüchtlinge haben es allenfalls größer gemacht - und das öffentliche Bewusstsein dafür geschärft. Ihre Wohnbedürfnisse sind keine grundsätzlich anderen als die der weniger finanzkräftigen Bevölkerungsschichten. Doch erst die Debatte über ihre Aufnahme hat das Thema ganz oben auf die politische Agenda gesetzt.

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenige Zahlen genügen, um die gesellschaftliche Bedeutung zu umreißen: Im Jahr 1987 gab es noch 3,9 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland, heute sind es etwa 1,5 Millionen; jedes Jahr verlieren 130 000 Wohnungen diesen Status, nur elfhundert kommen neu dazu. Nach einer 2012 erschienenen Studie des Eduard Prestel Instituts in Hannover liegt der Bedarf bei 5,65 Millionen Wohnungen. Mit den Bau- und Bodenpreisen steigen die Mieten, in der Stadt zu wohnen und damit teilzuhaben am sozialen Geschehen und kulturellen Leben, wird zu einer Frage des Geldbeutels. Die Nachfrage nach öffentlich gefördertem Wohnraum hat die Mitte der Gesellschaft erreicht.

          Bauträger, Architekten, Entwürfe

          Wie aktuell und komplex das Thema ist, zeigt eine Ausstellung in Köln. Konzipiert hat sie das „M:AI - Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW“, das über keine eigene Bühne verfügt, sondern als mobile Einsatztruppe auftritt und prononciert Themen besetzt, um ihnen eine genauere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Hier begibt es sich an die Front. In Köln ist die Wohnungsnot so dringlich, dass sie Studienanfänger in die Verzweiflung, kinderreiche Familien ins zersiedelte Umland und Besserverdiener auf den Haifischmarkt der Immobilienmakler treibt. Die Stadt boomt, bis 2030 wird sie, so die Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, um dreißigtausend Einwohner wachsen. Sechstausend neue Wohnungen werden jedes Jahr gebraucht, Baugenehmigungen erteilt werden derzeit nur - oder immerhin - viertausend. In die leergezogene Halle18 auf dem Clouth-Gelände, wo die Ausstellung gastiert, wurde ein Fenster mit Aussicht geschnitten: auf das 14,5 Hektar große Areal der ehemaligen Rheinischen Gummiwarenfabrik Franz Clouth, wo bis 2019 ein Quartier mit elftausend Wohnungen entsteht. Hundertfünfzig sind bereits bezogen, hundert weitere gerade fertig geworden. Es ist das größte innerstädtische Entwicklungsgebiet, nirgends drehen sich so viele Krane.

          Die Nachfrage nach öffentlich gefördertem Wohnraum hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Was das bedeutet, zeigt die Ausstellung.

          Die von Ursula Kleefisch-Jobst, Peter Köddermann und Karen Jung kuratierte Ausstellung nimmt nicht so direkt Bezug auf den Ort, dass sie den einzelnen Parzellen Bauträger, Architekten, Entwürfe und Nutzungen zuordnen würde. Vielmehr ist sie ein Angebot, die Zusammenhänge des Projekts zu erfassen und seine Strukturen zu lesen. In das entkernte Erdgeschoss des Gebäudes wurden fünf polygonale Holzgehäuse mit schiefen Winkeln und schrägen Flächen gesetzt, die das Thema in fünf Teile gliedern und mit Fotos, Zeichnungen, Plänen, Modellen und Texten veranschaulichen: „Küche. Diele. Bad“ leitet das Ideal der abgeschlossenen Familienwohnung, das sich erst um 1900 durchsetzte, historisch her, wobei der Bogen von den Siedlungen des „Neuen Bauens“ in den zwanziger Jahren (Bruno Taut in Berlin, Ernst May in Frankfurt; „Weiße Stadt“ in Köln, Dammerstock in Karlsruhe) bis zu den Trabanten- und Schlafstädten der sechziger und siebziger Jahre geschlagen wird; „Die Akteure“ beschreibt die Rollen von Architekten und Bauherren und erklärt, wie sich private und kommunale Baugesellschaft, Baugenossenschaft und Baugruppe unterscheiden; „Recht auf Wohnen“, in der Weimarer Verfassung von 1919 erstmals verankert, steckt die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen ab; „Das Haus“ stellt Beispiele für neue Wohnformen und Bautypologien vor; „Wohngebiete“ schließlich zeigt Möglichkeiten des (Nach-)Verdichtens, mit dem gewachsene Quartiere Urbanität zurückgewinnen können.

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