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Art Basel Miami Beach : Weihnachtseinkäufe am Strand

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Doch die frühere Hysterie scheint abgeflaut, nicht alles wird am ersten Tag verkauft, und die Händler berichten, die Hektik der frühen Jahre sei einer normalen, kommunikativen Stimmung gewichen. Nicholas Acquavella, bei dem mit einem „Untitled“ Jean-Michel Basquiats aus dem Jahr 1987 einer der Lieblinge des amerikanischen Markts für stolzen 3,25 Millionen Dollar am Stand prunkt, hat diesen nicht sofort absetzen können - am Vernissagentag verkaufte jedoch Jeffrey Deitch für 5,5 Millionen Dollar Basquiats „Dos Cabezas“.

Gegenüber hängen Arbeiten von Lucian Freud - die Zeichnung mit Windhund „Pluto Aged 12“ von 2000 kostet 85.000 Dollar, eine Aktskizze in Öl „Small Naked Portrait“ aus diesem Jahr 1,5 Millionen Euro. Bei Marian Goodman gibt es eine Wand, die fast so weiß ist wie Schnee: Dort hängen aktuelle Acryl-Offsetdrucke von Gerhard Richter unter dem Titel „Snow White“ für je 20.000 Dollar. Judy Lybke von „Eigen + Art“ stellt zwei frühe Arbeiten von Neo Rauch aus: Ein Gemälde aus dem Jahr 1992 soll 440.000 Dollar kosten. Schöner sind die Schiffe und Architektur auf „O.T.“, die Rauch 1995 in Öl auf einen Bogen Papier setzte (Preis auf Anfrage).

So viel Kunst für so viel Geld

Bei Gagosian dürfen sich „Leda and the Swan“ auf der Außenseite der Kojenwand räkeln: Das Querformat, Acryl auf Papier, von Roy Lichtenstein aus dem Jahr 1968 soll vier Millionen Dollar kosten, während Basquiats „Untitled (Red Man)“ von 1981 fünf Millionen Dollar bringen soll. Bei Pace Wildenstein sind noch das herausragende „Untitled #5“ von Agnes Martin aus dem Jahr 1998 für 1,65 Millionen Dollar zu haben, wie auch zwei buntlackierte Kästen Donald Judds aus Holz oder Aluminium (je 55.000 Dollar).

Wo so viel Geld verdient wird und nur ein Drittel der Bewerber Platz findet, da wachsen die Zelte der Nebenmessen; angeblich gibt es mehr als ein Dutzend: Sie heißen „Nada“, „Pulse“, „Scope“, „Aqua Art“ oder „Bridge Art Fair“. Schon im vergangenen Jahr hatte Sam Keller darauf hingewiesen, daß es so viel gute Kunst ja nun auch nicht geben könne. Er hat nicht unrecht - offensichtlich sind Pulse und Scope nicht der Nukleus des Nachwuchses. Allein die „Nada“, die im frisch gestrichenen „Ice Palace“ residiert, kann mit einem international spannenden Teilnehmerfeld überzeugen, zu dem Sorcha Dallas aus Glasgow gehört, Dicksmith aus London, die New Yorker Rivington Arms, Standart aus Oslo, die Deutschen Iris Kadel, Ben Kaufmann und Linn Lühn, Raster aus Warschau und erstaunlicherweise auch der New Yorker Leo König.

Das Geschäft mit der Art Basel

Es ist offensichtlich, wo für so viel Geld Kunst gehandelt wird, will die Stadt Miami teilhaben, das spürt man vor allem rund um die Nada, im „Design District“, einem forsch umgetauften Stadtviertel im Hinterland der Lagune, in dem allmonatlich neue Galerien eröffnen. Wer sich ein paar Blocks verirrt, stolpert über den Müll der Kleinindustrie und Crack-Opfer, aber für die Besucher sind Trampelpfade fest vorgegeben: Hier hat Don Rubell seine Family Collection genauso öffentlich eingerichtet wie die Familie Margulies, die ein leerstehendes Warenhaus bezog. Firmen zeigen ihre Sammlungen, und alte Hasen wie Yvon Lambert mieten sich temporär in Lagerhallen ein.

Die Art Basel hat an Floridas Strand einen Vertrag über zehn Jahre ausgehandelt, von dem sie jährlich zurücktreten kann. Daß sich Miami die Kunst oder das Geschäft mit ihr je wieder nehmen ließe, darf bezweifelt werden.

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