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Ausstellung in Buenos Aires : Der Kunst-Planet bebt

Flankiert von der „Frauenbrücke“, zielt dieses Werk der amerikanischen Künstlerin Barbara Kruger auf die Abtreibungsdebatte in Argentinien ab. Bild: AFP

Im Hüpfspiel methodisch vereint: Die erste Unternehmung in der Reihe der „Art Basel Cities“ hat ein eindrucksvolles künstlerisches Netz über die Riesenstadt Buenos Aires gespannt.

          Hopscotch“ ist das Motto der als Initialzündung gedachten Unternehmung, die ein ganzes Cluster künstlerischer Kooperationen umfasst. Der Name ist dem Roman „Rayuela“ (in der englischen Übersetzung „Hopscotch“) des argentinischen Schriftstellers Julio Cortázar aus dem Jahr 1963 entlehnt; Vorbild ist dessen nichtlineare Erzählstruktur. „Rayuela“ heißt das Himmel-und-Hölle-Hüpfspiel der Kinder, das nicht geradlinig ein Ziel verfolgt. Entsprechend dezentriert verteilte sich das Programm von „Art Basel Cities“ über den urbanen Körper von Buenos Aires – darunter Orte, an die kein Tourist je käme, kein Liebhaber Kunst vermuten würde.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Eine solche Anstrengung konnte in ganzer Dichte nur eine Woche dauern, sie soll nachhaltig wirken in weiteren Zusammenarbeiten, Workshops und ähnlichen Aktivitäten. Schon der Gedanke eines „Gallery Weekends“, wie es halbwegs überschaubar in Europas oder Nordamerikas Großstädten stattfindet, mutet in der südamerikanischen Megapolis als gewagtes Unterfangen an. Die erste Ausgabe von Art Basel Cities wollte noch mehr: Museen – bis hin zum Museo Nacional de la Inmigración im ehemaligen „Hotel de los Inmigrantes“, wo die Einwanderer von 1911 bis 1953 aufgenommen wurden –, öffentliche Institutionen, wie die Nationalbibliothek als location, die Vereinigung der Fischer auf ihrem Privatgelände – für Eduardo Basualdos sturm- und wasserumtoste Installation „Perspective of Absence“ – und Galerien in den verschiedenen Stadtteilen haben sich dafür zusammengetan.

          Die Logistik wird aus der Schweiz geliefert, von der Art Basel eben. Diese mächtigste Kunstmesse der Welt, mit ihrer Mutter in Basel selbst und jährlichen Schauen in Miami Beach und Hongkong, kann so etwas tatsächlich schaffen, nach mehr als ein Jahr währenden sorgfältigen Sondierungen und Planungen, die in der Stadt ihre tatkräftige Mitarbeiterin fanden. Denn niemand in der globalisierten Kunstwelt weiß so gut, wie wichtige Leute zum richtigen Zeitpunkt an einem vielversprechenden Platz zusammenzubringen sind. Entsprechend wurden „Art Patrons“, am ehesten vielleicht mit Kunstliebhaber zu übersetzen, aus Europa, Asien und Nordamerika nach Buenos Aires gebracht und eine Woche lang rundum mit Kunstbetrachtung versorgt, natürlich auch mit dem dazugehörigen sozialen Dekor.

          Mit Kunst die Stadt erkunden

          Kuratorin von „Hopscotch“ ist die Italienerin Cecilia Alemani. Sie spricht von einem museum without walls, das es zugleich möglich macht, die Stadt zu erkunden. Achtzehn argentinische und internationale Künstlerinnen und Künstler brachte sie für das „Hüpfspiel“ zusammen, an unerwarteten, versteckten, geheimen Stellen, leider überwiegend nur zeitweise.

          Jedenfalls weithin sichtbar ist die Schrift auf den Silos im Industriedistrikt Puerto Madero. Die amerikanische Künstlerin Barbara Kruger hat in riesigen Lettern ihre feministische Botschaft dort aufmalen lassen. Der Satz auf grünem Grund – „Wer besitzt was?“ – bezieht sich auf die in Argentinien virulente Abtreibungsdebatte. Krugers Fresko, das übrigens vorerst erhalten bleibt, wird flankiert von der „Puente la Mujer“ (Frauenbrücke), die schwingend das Hafenbecken überspannt, entworfen vom spanischen Architekten Santiago Calatrava.

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