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Architekturzeichnungen in Berlin : Bauen auf Papier

  • -Aktualisiert am

Auf ein eigenständiges Architekturmuseum hofft Berlin bisher vergeblich. Die Sammlung der Technischen Universität böte Anlass genug. Sie muss noch mit einem provisorischen Ausstellungsraum Vorlieb nehmen. Er birgt wahre Schätze.

          Die riesigen Bestände der Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben einen schier unersättlichen Expansionsdrang. Ihr Stammsitz, die Museumsinsel Berlin, reicht schon lange nicht mehr. Deswegen bekommt die Stiftung bekanntlich das künftige Humboldtforum noch dazu. Was wiederum nichts daran ändert, dass der Institution ein Architekturmuseum fehlt, in dem sie die Öffentlichkeit über die Geschichte des Bauens aus nationaler oder auch internationaler Perspektive aufklären könnte.

          Diesem Mangel hilft nun wenigstens zeitweilig die Technische Universität (TU Berlin) ab. In direkter Nachbarschaft zur Museumsinsel und der provisorischen Humboldt-Box zeigt sie in dem zeltartigen Provisorium, das mittels Planen Schinkels 1962 gesprengte legendäre Bauakademie illusioniert, ausgewählte Blätter ihres und damit des ältesten Architekturmuseums Deutschlands. Im Jahr 1886 vom Dom-Baumeister Julius Raschdorff an der TU gegründet, avancierte das Haus bis 1914 zu einem der führenden Institute, in dem nicht nur preußisch-brandenburgische Objekte, sondern Blätter, Zeichnungen und Modelle aus dem ganzen Deutschen Reich gesammelt wurden.

          Glanz eines Musterraums

          Die Wirren des Zweiten Weltkriegs zerflederten und dezimierten die Sammlung. Als „Plankammer“ überwinterten die Reste in Charlottenburg. Auf diese lange, nahezu publikumslose Zwischenzeit folgte 2006 der Kraftakt des neuen Direktors Hans-Dieter Nägelke, der die Sammlung digitalisieren lässt - 160 000 Datensätze sind bislang entstanden. Man sollte sich nicht vom kläglichen Flattern der Planen abschrecken lassen, die rings um die rekonstruierte ziegelsteinerne Musterachse dieser Ikone der deutschen Architekturgeschichte bezeugen, wie mühsam und langwierig zuweilen in der deutschen Hauptstadt die Auferstehung verschwundener Denkmäler vonstattengeht (oder eben nicht).

          Hinter den bebenden Kulissen warten im rekonstruierten Musterraum wahre Schätze: Ob die Entwürfe von Langhans für das Brandenburger Tor oder eine fulminante Kohlezeichnung Hans Poelzigs für ein Hochhaus an der Friedrichstraße, staunend erkennt man, über welch üppigen Bestand dieses Museum noch immer vom achtzehnten Jahrhundert an bis hin zur Gegenwart verfügt. Den Wunsch nach geeigneten eigenen Präsentationsräumen liest man zwischen den Stelltafeln der Ausstellung selbstverständlich gleich mit.

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