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Architekt Pierre de Meuron : Kreative Kraft, innere Ruhe

Der Architekt Pierre de Meuron – damals noch im Rohbau der Hamburger Elbphilharmonie. Bild: Anna Mutter

Er ist nicht nur für spektakuläre Großbauten wie die Hamburger Elbphilharmonie bekannt. Mit seinem Schulfreund Jacques Herzog schuf er ein ganzes, menschenfreundliches Architektur-Biotop. Heute wird Pierre de Meuron siebzig.

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          Es gibt viele Architektenduos; die meisten von ihnen lernen sich im Studium kennen. Bei Pierre de Meuron und Jacques Herzog war das anders: Als sie ihr Büro Herzog de Meuron 1978 gründeten, kannten sie sich schon die längste Zeit ihres Lebens. Die Schulfreunde traten von Anfang an als dialogisch arbeitendes Team auf, wobei Herzog derjenige war, der sich als Außenminister von „HdM“ sehr gern ins Getümmel der öffentlichen Diskussionen stürzte, während de Meuron sich eher in feiner Zurückhaltung übte – und sich umso mehr um den Aufbau eines Büros mit einem guten, produktiven Klima kümmerte.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Mit der dortigen Arbeit Vertraute beschreiben Pierre de Meuron als jemanden, der nicht nur das Produkt, also die Bauwerke, im Blick hat, sondern auch das komplizierte Biotop, in dem die Ideen dazu entstehen – ein System mit, im Falle von Herzog de Meuron, fünfhundert Mitarbeitern, vierzehn Partnern und Büros in Basel, London, New York, Hongkong, Berlin und Kopenhagen, das er mit großem Aufwand und Hingabe aufbaute und pflegt: „Pierre hat ein enormes Maß an kreativer Energie in unser Unternehmen gesteckt. Ich denke dabei an die unglaubliche Erfindungskraft, die er in strukturellen Fragen hat, in architektonischen Belangen, aber eben auch in Fragen der Firmenstruktur“, sagt seine Büropartnerin Christine Binswanger.

          Als „nachnamensgebende“ Hälfte des Architektenduos ist der mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnete de Meuron vor allem für die spektakulären öffentlichen Großbauten seines Büros bekannt, etwa das Nationalstadion von Peking, die Münchner Allianz-Arena oder die Hamburger Elbphilharmonie, aber auch für großartige Bauskulpturen wie das Prada-Gebäude in Tokio. Dass es Gründe gibt, die geplante Berliner Giga-Museumsscheune nicht zu diesen Großtaten zu rechnen, muss am Geburtstag nicht ausgebreitet werden.

          Pekings von den Einwohnern liebevoll so genanntes „Vogelnest“: Das Olympiastadion ist eines der bekanntesten Werke de Meurons. Bilderstrecke
          Herzog & de Meuron : Kreative Kraft, innere Ruhe

          Weniger bekannt, aber in Corona-Zeiten fast noch interessanter, sind jene Fürsorge-Architekturen des Büros, die sich vielleicht besonders auch dem Geist von Pierre de Meuron verdanken – das Basler Reha-Zentrum von 2002 etwa, eine leichte offene Holzarchitektur, die den Rekonvaleszenten japanisch anmutende Innenhofgärten bietet, oder, gerade im Bau, das Kinderspital Zürich, das einen ebensolchen, hier kreisrunden Innengarten haben wird: eine Abenteuernatur, die als wild überwucherte fliegende Untertasse mitten in der Sterilität des Hospitals landet und die Kinder freudig überrascht.

          Heute, nur wenige Wochen nach dem siebzigsten Geburtstag seines Duettpartners Herzog wird Pierre de Meuron, der Ermöglicher solch menschenfreundlicher Räume, seinerseits siebzig Jahre alt.

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