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Ausstellung in Basel : Aus dem Land der Königin von Saba

Der heutige Jemen war in der Antike ein blühendes Reich an der Weihrauchstraße. Das Antikenmuseum Basel widmet der wenig bekannten und von Krieg überzogenen Region Südarabiens eine sehenswerte Ausstellung.

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          Die Geschichte ist so gut, dass sie in gleich drei Religionen Aufnahme gefunden hat: König Salomo bekommt eines Tages in Jerusalem Besuch von der Königin eines südarabischen Reiches namens Saba. Sie führt kostbare Geschenke mit sich, ist beeindruckt von seiner Weisheit, man trennt sich in bestem Einvernehmen, und die Königin reist zurück. So steht es zweimal im Alten Testament, wo die Geschichte eher folgenlos bleibt, außer dass Salomo einen Teil der Mitbringsel für seinen Tempel verwendet. Der Koran und spätere islamische Erzählungen schmücken die Geschichte aus: Hier bestellt Salomo die Königin geradezu ein, um sie zu prüfen und als Tochter eines Dämons zu Allah zu bekehren, was auch gelingt. Er heiratet sie und hat mit ihr einen Sohn, der dann König des Jemens wird. Eine dritte Tradition, die im Mittelalter im christlichen Äthiopien entsteht, schildert dann, wie die sabäische Königin, die hier Makeda heißt, von Salomo in Jerusalem dazu genötigt wird, mit ihm zu schlafen, und dabei schwanger wird - jener Menelik ist dann der erste äthiopische König, auf den sich noch der letzte Kaiser des Landes als Ahnherrn berief.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Angesichts des gewaltigen Niederschlags, den die Geschichte in allen Künsten von der Literatur über Malerei und Skulptur bis zu Musik und Film besitzt, spielt es keine Rolle, dass sie von der Altertumsforschung längst als fiktiv eingestuft worden ist: Bewiesen ist weder die Existenz von Salomo noch die der Königin. Ein mächtiges sabäisches Reich aber gab es im Gebiet des heutigen Jemens tatsächlich, wenn auch erst im achten vorchristlichen Jahrhundert, also gut zweihundert Jahre nach der biblischen Chronologie des sagenhaften Treffens der beiden Monarchen, aber zur selben Zeit, als der Überlieferung nach die Stadt Rom gegründet wurde. Unter den Königen Sabas waren zwar, soweit man weiß, keine Frauen, allerdings sind aus dem nordarabischen Raum mehrere Herrscherinnen bekannt, die im achten Jahrhundert vor Christus regierten.

          Durch Forschungsreisen ausgebeutet

          Saba und seinen Nachbarn im ersten Jahrtausend vor Christus ist eine Ausstellung gewidmet, die gerade im Antikenmuseum in Basel eröffnet worden ist. Sie kommt notgedrungen ohne Partner aus dem mit Krieg überzogenen Jemen aus und lenkt den Blick doch permanent auf die Gegenwart des Landes, indem großformatige Fotos an den Wänden des zentralen Raums die heutige Landschaft zeigt, die Siedlungen an terrassierten Hängen mit den der wasserarmen Gegend abgetrotzten Feldern - der sagenhafte Reichtum des Landes, dessen Gewürze bis nach Europa verkauft wurden, stammt von diesen Hängen ebenso wie von der Weihrauchstraße, die sich durch das Landesinnere des Jemens zog, bis die vordringenden Römer sie durch die Seeroute um die arabische Halbinsel ersetzten und so die Gesellschaften Südarabiens empfindlich trafen. Und in der einstigen sabäischen Hauptstadt Ma’rib sind die Reste eines gewaltigen Staudamms zu sehen, der die häufigen heftigen Regenfälle für die Stadt nutzbar machte.

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